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Wen lade ich ein? Und was biete ich an?

Hier spielt die Speisenfolge keine Rolle: In Korea kommt alles gleichzeitig auf den Tisch (Foto: Miran Kwak)

Die Auswahl der Gäste ist meistens nicht schwer: Wir laden die Freunde ein, die wir sehen wollen. Wenn erforderlich, überlegen wir uns auch, ob sie sich untereinander gut vertragen. Und wir ziehen natürlich in Betracht, bei wem wir eine Essenseinladung erwidern sollten. Denn eine alte Regel besagt, dass man Essenseinladungen mit einer eigenen beantwortet.

Das mag nicht immer einfach sein, da es die Zusammenstellung der Gäste schwieriger machen kann, doch ist es eine Art Verpflichtung. Nur bei ganz guten Freunden kann man diese Regel vergessen, etwa wenn man weiß, dass einer nicht die Möglichkeit hat, im selben Stil einzuladen wie man selbst.

Private und dienstliche Einladungen

Bei dienstlichen Einladungen gelten besondere Regeln. Eine ist, dass man nicht als erster seinen Chef einladen darf, sondern diesen ersten Schritt des privaten gesellschaftlichen Kontakts diesem überlassen muss. Etwas anderes tun nur Karrieristen und versuchen so, sich „hochzueinladen“. Meistens ohne Erfolg.

Auch wenn der Chef Sie als erster eingeladen hat, ist nicht gegeben, dass er eine Gegeneinladung erwartet. Als Botschafter habe ich (wie viele meiner Kollegen) jedes Jahr alle Botschaftsangehörigen mit Familie zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Aber ich habe natürlich nicht erwartet, dass alle 50 oder 60 Leute mit einer Gegeneinladung antworteten.

Als ich für den Bundespräsidenten Johannes Rau arbeitete, lud dieser die Abteilungsleiter des Bundespräsidialamts zu seiner Geburtstagsfeier ein, zu der sonst nur noch seine Familie, alte Freunde und politische Wegbegleiter kamen. Das empfand ich als große Ehre und warmherzige Geste, doch kam mir nie der Gedanke, ihn selbst zu meinem eigenen Geburtstag oder zu einer anderen Gelegenheit einzuladen. Er erwartete das sicher auch nicht; seine Abende waren auch ohne meine Einladung übervoll gefüllt. Man muss sich also genau überlegen, ob der Chef wirklich eine private Gegeneinladung wünscht.

Hier haben Sie das Muster einer Einladungskarte ohne dienstliches Brimborium wie Position und akademische Grade, das ich für die Einladung an Freunde für angemessen halte.

Mitglieder des Bundestags könnten noch MdB hinter ihren Namen setzen, aber damit ist es auch gut. Der Doktorgrad interessiert zwar niemanden, und er ist auch nicht Bestandteil des Namens, aber nur wenige in Deutschland wollen auf ihn verzichten (koste es, was es wolle).

Hauptgericht mit Drum und Dran

Nur bei einer herausgehobenen, den Eingeladenen auch interessierende Stellung ist das anders. Ein deutscher Botschafter im Ausland, der ja meistens dienstlich einlädt, würde „Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland“ vor seinen Namen setzen. Lädt er mit seiner Frau ein, hieße das „Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland und Frau Beate Freudenreich“, also der Name des Botschafters selbst entfällt. Aber das sind Nischenkenntnisse.

Nachdem Sie die Gästeliste fertiggestellt haben, überlegen Sie, was Sie zu essen anbieten. Für das Mittagessen genügen ein Hauptgericht und eine Nachspeise, abends sollte noch eine Vorspeise dazukommen. Nur wenn Sie besonders üppig sein wollen oder wenn Sie dienstlich einladen, können Sie mittags ein Drei-Gänge-Menü anbieten und abends ein Vier-Gänge Menü.

Bei einem Mittagessen empfiehlt sich leichte Kost als Hauptgericht, etwa Salat als Vorspeise und Fisch oder Huhn, abends kann es dann etwas gewichtiger sein.

Reihenfolge von Fisch und Fleisch und Reden

Bieten Sie Fleisch als Hauptgericht an, können Sie Fisch zur Vorspeise wählen. Bei einem Vier-Gänge-Menü bietet sich neben der „festen“ Vorspeise eine Suppe an.

Über die Reihenfolge kann man streiten, doch nach einer alten Regel ist mit der kalten Vorspeise anzufangen, da man die schon auf den Tisch stellen kann, bevor die Gäste Platz nehmen. Suppen sollte man (wie auch die warme Vorspeise) erst auftragen, wenn alle Gäste sitzen und einer der Gastgeber die Gäste begrüßt hat. Sonst kühlt sie ab, insbesondere bei Rednern, die kein Ende finden; manchmal folgt auf die Begrüßungsworte auch gleich die Dankesrede (was falsch ist, denn wie soll man da schon das gute Essen und die schöne Atmosphäre loben können).

Die warme Vorspeise kommt nach der Suppe. Sollte man selber kochen, empfiehlt sich eine Speisefolge, die man gut vorbereiten kann, sodass sich die armen Gastgeber nicht immer wieder entschuldigen müssen, um in die Küche zu eilen.

Alkohol: Alte Regeln gelten kaum noch

Heute wird sehr viel weniger Alkohol getrunken als früher. Trotzdem werden Sie Wein anbieten, auf Wunsch auch Bier, mittags wie abends. Dabei verlieren die alten Regeln, ob man zu bestimmten Gerichten Rot- oder Weißwein trinkt, ihre Bedeutung. Meines Erachtens zu Recht.

Norweger haben zum Beispiel immer schon auch Rotwein zu bestimmten Fischsorten getrunken; dass es Weißwein bei Fisch sein muss, gilt also nur eingeschränkt. Es kommt auf den individuellen Geschmack an. Dennoch bleibt es dabei, dass die meisten Gäste erwarten, dass Sie zur Vorspeise und zu Fisch (trockenen) Weißwein anbieten. Dabei sollten Sie Rotwein in Reserve halten.

Nach alter Regel trinkt man Weißwein zu hellem Fleisch, etwa zu Geflügel und Kalb. Zu dunklem Fleisch, insbesondere Wild, trinkt man Rotwein. All das ist kein must mehr, doch spiegelt es die Erwartungshaltung der meisten Gäste wider.

Käse und das Süße zum Schluss

Bieten sie also die Weine „regelkonform“ an, aber weisen Sie auch auf Alternativen hin. Zum Nachtisch wird gerne Sekt oder Süßwein getrunken. Auch Rotwein verträgt sich noch mit einer süßen Nachspeise, nur Weißwein schmeckt in dieser Kombination sauer.

Der Satz „Käse schließt den Magen“ trifft übrigens auf die Speisefolge nicht zu. Wenn Sie Käse und ein süßes Dessert anbieten  ̶  ein probates Mittel, um das Essen um einen Gang zu verlängern  ̶ , kommt das Süße zum Schluss. Das wird auch dem Geschmack der meisten entsprechen.