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Soll man sich für jedes Geschenk bedanken?

Gelegentlich es aus der Mode gekommen, sich für Aufmerksamkeiten zu bedanken (Foto: Miran Kwak)

Als Kind musste ich nach Weihnachten unter der Aufsicht meiner Mutter meinen Onkeln und Tanten für die Weihnachtsgeschenke danken, und zwar brieflich und ohne mich zu verschreiben. Sodass ich eine Zeit lang beschäftigt war. Ich war nicht begeistert, gewöhnte mich aber daran.

Heute, zwei Generationen später, scheint mir der Dank für Geschenke etwas aus der Mode gekommen zu sein. Das ist schade, denn mancher Schenker, der sein Geschenk in liebevollen Gedanken an den Empfänger ausgesucht hat, weiß nun nicht, ob sein Geschenk angekommen und wie es aufgenommen worden ist. Er wird daher vielleicht im nächsten Jahr schulterzuckend oder aus pädagogischen Gründen auf ein solches verzichten. Das wäre doch schade, zumal der oder die Beschenkte sich doch über das Geschenk gefreut haben wird und, so ist es zumindest meist bei Kindern, nur vergessen hat, vielleicht auch zu schüchtern oder zu faul war, sich dafür zu bedanken.

Notorisch undankbar…

Vielleicht fragt der Schenker ja nach, ob das Päckchen überhaupt angekommen ist, eine für beide Seiten peinliche Sache. Wieviel schöner wäre es, wenn Eltern auch heute noch dahinter her wären, dass sich ihre Kinder für Geschenke bedanken. Es muss ja nicht mehr der fehlerfreie und saubere handschriftliche Dankesbrief meiner Jugend sein, obwohl das bei großen Geschenken durchaus angemessen wäre. Aber schon ein Telefonanruf, eine E-Mail oder eine WhatsApp-Nachricht wäre für alle Beteiligten gut und entspräche den herzlichen Gefühlen, die sie verbinden. Wenn die Kinder noch klein sind, ist der richtige Zeitpunkt dafür, sie daran zu gewöhnen. Sind sie einmal erwachsen, werden sie es kaum noch lernen und von ihrer Umwelt als notorisch undankbar und schlecht erzogen angesehen werde.

Frage von Benehmen und Herzensbildung

Daher mein Rat: Bedanken Sie sich für jedes Geschenk. Es ist nicht nur eine Frage des guten Benehmens, sondern auch ein Zeichen von Herzensbildung. Das gilt nicht nur für Weihnachtsgeschenke. Auch nach einem Abendessen freuen sich die Gastgeber, wenn sich ihre Gäste an einem der nächsten Tage telefonisch oder schriftlich für das schöne Essen und die angeregte Unterhaltung bedanken.

Ein „Danke“ ist auch in anderem Zusammenhang passend. In Deutschland wird auf ein Kompliment, sei es für das Aussehen, das Essen oder eine gute Tat, häufig verklemmt mit einem „Aber nicht doch!“ geantwortet. Dabei hört man Komplimente doch gerne. Sagen Sie, wie die Angelsachsen und egal ob das Kompliment stimmt oder nicht, einfach „Danke!“, und alle sind zufrieden.

Einladungen mit Dank annehmen

Schließlich gibt es beim Restaurantbesuch im Freundeskreis manchmal Streit darüber, wer das Essen für alle bezahlen darf. Kaum sagt einer „Heute bezahle ich mal für alle, betrachtet Euch als eingeladen!“, hört man „Aber das geht doch nicht!“ oder „Das kann ich nicht annehmen!“. Das ist ein echter Stimmungskiller. Wenn jemand auch noch darum kämpfen muss, dass er sein gutes Geld für andere ausgeben darf, verliert er schnell die Freude daran. Damit ist niemandem gedient.

Nehmen Sie also die Einladung mit Dank an, wenn Sie damit nicht gegen Compliance Regeln verstoßen oder den Eindruck haben, Sie sollten sich verpflichtet fühlen, und merken Sie sich die großzügige Geste, um sie bei Gelegenheit zu erwidern.