
Es gab in meinem Berufsleben als Botschafter kaum eine protokollarische Frage, die mich so häufig beschäftigt hat wie die Tischordnung. Daher widme ich ihr in meinem Buch „Umgangsformen“ fast 40 Seiten mit einer Menge von Beispielen und insgesamt 40 Skizzen. Das ist zugegebenermaßen schon eher etwas für gesellschaftliche „Professionals“. Einige Grundregeln sollte aber jeder kennen. Sie werden das Setzen der Gäste erleichtern.
Zu diesen Grundregeln gehört:
· Runde Tische erleichtern die Tischordnung. Denn bei ihnen gibt es kein „oben“ und kein „unten“.
· (Ehe-)Paare setzt man nicht nebeneinander. Die haben zu Hause genug Gelegenheit, sich zu unterhalten. Es gibt allerdings schüchterne, gesellschaftlich unerfahrene Ehefrauen, die unbedingt neben ihrem Mann sitzen wollen. Erfüllen Sie ihnen ihren Wunsch. Sie sollen sich ja wohlfühlen.
· Eine Dame sollte nicht am Ende der Längsseite einer rechteckigen Tafel sitzen. Sie sollten auf beiden Seiten einen Gesprächspartner haben. Diesen Effekt erzielt man aber auch dadurch, dass man die Kopfenden der Tafel besetzt. Dann fließt das Gespräch ungehindert.
· Bei einem runden Tisch ist das Zentrum dort, wo der Gastgeber und die Gastgeberin sitzen. Bei rechteckigen Tafeln sitzen diese an den Kopfenden oder ̶ vorzuziehen, da sie dann allen Gästen näher sitzen ̶ in der Mitte der Tafel. Das ist nicht immer geometrisch genau möglich, ist aber auch nicht nötig. Die schiefe Schlachtordnung hat schon in der Schlacht von Leuktra zum Erfolg geführt. Wenn sich die Gastgeber nicht genau gegenübersitzen, kann das sogar seine Vorteile haben, nämlich dann, wenn der rechts neben der Gastgeberin sitzende Ehrengast dann genau gegenüber dem Gastgeber sitzt.
· Im Prinzip gilt bunte Reihe. Nicht aber bei Geschäftsessen. Die Rangordnung im Beruf ist „genderblind“. Da gilt Rang und nicht Geschlecht der Essensteilnehmer. Es wird also nicht der bunten Reihe wegen die Sachbearbeiterin neben den Chef oder der Sachbearbeiter neben die Chefin gesetzt, während der Abteilungsleiter weiter unten am Tisch sitzt.
· Es gibt magische Personenzahlen, die bei Ehepaaren die Tischordnung erleichtern. Diese sind 6, 10, 14 usw. Haben Sie zum Beispiel zwei Ehepaare zu Gast, so setzen Sie die beiden Herren neben die Gastgeberin und die beiden Damen so neben den Gastgeber, dass kein Ehepaar nebeneinander sitzt. Das funktioniert bei rechteckigen und runden Tischen. Und lässt sich auf höhere Gästezahlen (Sprünge von 4 Personen) erweitern.