
Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), einer der größten außen- und sicherheitspolitischen Thinktanks in der Republik, erhält eine neue Leitung. Der bisherige Otto Wolff-Direktor der DGAP, Thomas Kleine-Brockhoff (66) zieht sich nach zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen von dieser Aufgabe zurück, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. Vom 1. Oktober an werden Kira Vinke (38), Leiterin des Zentrums für Klima- und Außenpolitik sowie Patrick Keller (48), der bisherige Vizedirektor und Leiter des Zentrums für Sicherheit und Verteidigung, die Institution führen. Ihre Fachaufgaben sollen beide behalten.

Vinke gehört dem Beirat der Bundesregierung für Zivile Krisenprävention und Friedensförderung an, dessen Co-Vorsitz sie von 2018 bis Januar 2025 innehatte. Von 2014 bis 2022 arbeitete sie als junge Wissenschaftlerin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Sie schrieb unter anderem das Buch "Sturmnomaden - Wie der Klimawandel uns Menschen die Heimat raubt."
Der Politikwissenschaftler Keller war u.a. Abteilungsleiter für Politik und Kommunikation im Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Redenschreiber der CDU-Verteidigungsministerinnen Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer sowie Vizepräsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Mit der Neubesetzung werde zugleich ein Generationswechsel in der DGAP eingeleitet, betonte Thomas Enders (67), seit 2019 Präsident des Thinktanks und früherer Chef von Airbus und EADS. Kleine-Brockhoff habe die Institution in schwieriger Lage stabilisiert und vorangebracht.

Unter der Führung des ehemaligen Zeit-Journalisten eröffnete die DGAP eine Reihe neuer Forschungs- und Beratungsfelder. Als Senior Fellow wird der USA-Spezialist weiterhin für den ThinkTank tätig sein. Ganz freiwillig erfolge dieser Schritt indes nicht, erklärte Kleine-Brockhoff in einer persönlichen Mitteilung an die Mitglieder. Er folge dringendem ärztlichen Rat, nach einem Eingriff am Herzen sein Arbeitspensum zu drosseln. Die DGAP befinde sich in einem Prozess der Modernisierung und verdiene daher eine Führung, die sich dieser Aufgabe mit voller Kraft widme.
Die Reformen umfassten Finanzen, Verwaltung und das intellektuelle Rückgrat der DGAP. Während seiner Amtszeit seien 40 neue instititutionelle Partner gefunden und zwei neue Forschungszentren - für Verteidigung und Europa - revitalisiert worden. Zwei weitere - zu Indien und Tech - befänden sich in Gründung. Er selbst werde künftig die Bereiche der außenpolitischen Analyse und Strategie unterstützen. "Die Zeit für Abschiede ist also mitnichten gekommen. Eher für einen Neuanfang in veränderter Rollenverteilung."
Die DGAP wurde als Denkfabrik bereits 1955 in Bonn - damals nach dem Vorbild des Council on Foreign Relations in New York und des Chatham House in London - gegründet und sollte Politiker, Unternehmer, Medien und Diplomaten in Gesprächsforen zusammenbringen. Einer ihrer bekanntesten Direktoren war der Politikwissenschaftler Karl Kaiser, der die außenpolitische Forschung in Deutschland wesentlich mitprägte und heute als Gastprofessor an der Harvard University forscht. Die Organisation finanziert sich u.a. aus Mitteln des Bundes, Unternehmensspenden und Mitgliedsbeiträgen. gd