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"Die Ukrainer werden nicht aufgeben."

Technologische Sprünge, Geldmangel, ein harter Winter und die Frage, wie der Krieg zwischen der Ukraine und Russland endlich enden kann - Diskussionen und Eindrücke aus Kiew
September 15, 2026
September 15, 2026

Ort der Trauer und des Gedenkens: An einer Mauer des Michaelsklosters in Kiew hängen die Porträts der im Krieg gegen Russland gefallenen Soldaten (Foto: Dometeit)

Von Gudrun Dometeit

Krieg ist nur ein Wort, er hat viele Gesichter. An der Front ist er laut, blutig, verzweifelt. Im Hinterland lauert er, bereit zuzuschlagen, und gibt sich oft ganz unauffällig.

 

Kiew ist auf den ersten Blick solch eine Stadt, in der man ihn kaum vermutet, jedenfalls nicht Im Zentrum. Kaum Zerstörungen, Bars und Restaurants sind gut besucht, Galerien und Modegeschäfte geöffnet. Junge Ukrainerinnen schlürfen Aperol Spritz an Tischen auf der Straße. Wochenende eben. Einer der wichtigsten Sakralbauten der Ukraine, das prächtige Michaelskloster mit seiner Kathedrale, einst von den Sowjets gesprengt, wirkt wie frisch restauriert. Aus den Fenstern einzelner Gebäude klingen an diesem Samstag leise, feierliche, irgendwie beruhigende Gesänge.

 

Aber es stapeln sich auch Sandsäcke vor Gebäuden, ausgebrannte Fahrzeuge zeugen als stumme Mahner von den vielen Schlachten im Osten der Ukraine, ein gepanzerter Wagen bewacht eine gesperrte Straße neben der Sophienkathedrale. Die Galerie mit Fotos gefallener Soldaten an der Mauer des Michaelsklosters, viele von ihnen in den zwanzigern, lachend, zuversichtlich, manche grimmig und entschlossen, ist seit dem letzten Besuch deutlich gewachsen. Und je weiter man in die Außenbezirke fährt, desto häufiger passiert man verkohlte, zerschossene Wohngebäude, Fabriken, Lager. Anfang September löste ein russischer Luftangriff einen Großbrand in einem der wichtigsten Medikamentendepots in Boryspil nahe Kiew aus.

 

Nachts, sagen die Kiewer, ist es am schlimmsten. Wenn das Smartphone fünf, sechs mal dröhnt, weil es wieder einen Luftalarm gibt. Und man nicht weiß, wie man übermüdet den nächsten Tag überstehen soll.

 

Seit dem Sommer bombardiert Russland die Ukraine nicht nur immer häufiger, sondern setzt neben ballistischen Raketen auch neue jetbetriebene Geran-Drohnen ein, die mit bis zu 600 Stundenkilometern deutlich schneller sind als die bisher verwendeten Shahed-Drohnen. Sie sollen die ukrainische Luftabwehr zermürben. Beide Seiten zielen verstärkt auf Energieinfrastruktur, Warenhäuser, Industrie und natürlich militärische Anlagen. An eine angeblich von Donald Trump verhandelte Kampfpause für den Beschuss der Energieversorgung hielten sich Moskau und Kiew bis zum heutigen Dienstag nicht.

Attacke auf einen Passagierzug zwischen Kiew und Warschau an der ukrainisch-polnischen Grenze: Mitarbeiter des staatlichen Notfallfalldienstes sind im Einsatz (Foto: DSNS/NYT)

Winter-Offensive

Russische Geran-5-Drohnen attackierten am frühen Sonntag morgen auch die Westukraine und die polnisch-ukrainische Grenze. Eine davon setzte laut polnischem Grenzschutz einen LKW rund einen Kilometer vom Grenzübergang Dorohusk-Jagodin entfernt in Brand, eine andere traf die Lokomotive des Passagierzuges Kiew – Warschau, ebenfalls in der Nähe dieses Grenzübergangs.

Verletzt wurde niemand, auch nicht die Insassen eines Privatzuges mit internationalen Diplomaten, Politikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Journalisten, der die Strecke kurz zuvor auf dem Rückweg von Kiew passiert hatte. Alle waren Teilnehmer der „Yalta European Strategy"(YES) - Konferenz, zu der der ukrainische Oligarch Viktor Pinchuk einmal im Jahr hauptsächlich Unterstützer seines Landes zusammenruft.

 

Der Krieg war plötzlich sehr nah, hatte sich herangeschlichen, ohne dass die Passagiere dieses Zuges - einschließlich der Berichterstatterin - es ahnten. Galt der Angriff sogar eigentlich dem Privatexpress, in dem unter anderen der britische Ex-Premier Boris Johnson sowie der außen- und sicherheitspolitische Berater des Kanzlers, Günter Sautter, saßen? Ein Einschüchterungsversuch Russlands gegenüber Polen und anderen Europäern war es sicher - und vermutlich nicht der letzte. Die Attacken waren ein Vorgeschmack darauf, was die Ukraine und die Koalition der WIlligen in allernächster Zeit erwartet.

„Ob die Ukraine diesen Winter übersteht, hängt vor allem davon ab, ob wir unseren Himmel schützen können“, hatte Andrii Biletskyi, Kommandeur des 3. Armeecorps, die Teilnehmer der Konferenz gleich zu Anfang eingestimmt. Er war online in den verbunkerten Saal eines Kiewer Hotels zugeschaltet. „Wir sollten in der Lage sein, auf alles, was fliegt, reagieren zu können.“ Dazu braucht das Land dringend weitere Patriot-Abfangraketen, rund 300 sollten es idealerweise sein. Die Luftverteidigung kann immer weniger Angriffe abwehren, die Zahl von nur noch 50 bis 60 Prozent kursierte unter den Teilnehmern.

Das Problem: Weil die USA seit dem vorigen Jahr kein neues Geld mehr für die Verteidigung der Ukraine zur Verfügung stellen, müssen die Europäer solche Systeme entweder beim US-Hersteller Lockheed Martin kaufen oder aus eigenen Beständen abgeben. Die Bundesregierung hat für 2026 unter anderem zum Kauf von zwei Patriot-Systemen 11,5 Milliarden Euro vorgesehen. Das US-Unternehmen kommt allerdings mit der Produktion der Abfangjäger, auch wegen des Irankrieges, kaum hinterher. Und damit, dass die USA in absehbarer Zeit wieder direkte Hilfszahlungen aufnehmen - Demokraten wie Republikaner des US-Kongresses machten dies in einer Diskussion deutlich -  ist eher nicht zu rechnen.  

Katastrophale Wirtschaftslage

So richteten sich alle Bitten für mehr Geld an die Europäer, wobei die EU mit über 220 Milliarden Euro seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 ohnehin der größte Zahler der Ukraine ist. Deren ökonomische Lage ist indes dramatisch. Die Regierung könne nicht einmal die normalen staatlichen Ausgaben mit dem eigenen Budget decken, so Roksolana Pidlasa, die junge Vorsitzende des Finanzausschusses der Werchowna Rada, um damit beispielsweise Gehälter der Staatsangestellten oder Unterstützung von Soldatenfamilien zu bezahlen. Die Lücke bezifferte sie mit 1,35 Milliarden Dollar (1,17 Mrd. Euro). Jeder Kriegstag kostet die Ukraine 190 Millionen Dollar (165 Mio. Euro).

Wegen der ständigen Attacken auf Infrastruktur und Unternehmen sinken zudem die Steuereinnahmen rapide. Die Blockade des Transportkorridors im Schwarzen Meer hat die Einnahmen insbesondere aus dem Export von Getreide einbrechen lassen. Die Situation sei prekär, räumte auch der neue ukrainische Regierungschef Serhij Koretzkyi, seit zwei Monaten im Amt, ein, zumal Russland in diesem Winter offenbar „eine Art Blitzkrieg“ plane. Mit Krediten versucht die Regierung die Liquidität und die Logistikketten der Unternehmen zu stützen. Auf die Frage, warum eigentlich Brüssel seine pekuniären Anstrengungen erhöhen solle, obwohl es große Korruptionsskandale gebe, versicherte Koretzkyi, die Anti-Korruptionsbehörden seien absolut "in der Spur" und machten ihre Arbeit.

 

Der neue Regierungschef Serhij Koretzkyi, bis vor kurzem noch Chef des staatlichen Unternehmens Naftogaz, beschreibt im Gespräch mit Economist-Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes die schwierige Wirtschaftslage (Foto:YES2026/Victor Pinchuk Foundation)

Für Verteidigung braucht die Ukraine nach eigenen Angaben zusätzliche 27 Milliarden Euro (Gesamtetat 123 Mrd.) noch in diesem Jahr. Höhere Drohnen-und Raketenproduktion, mehr Soldaten – all das kostet Geld. So jedenfalls begründeten Mitglieder der Regierung ihre Nachforderung. Wenigstens 13 Milliarden Euro könnten doch, so ein Vorschlag, aus der für 2027 vorgesehenen zweiten Tranche eines 90-Milliarden-Dollar-Kredit der EU vorzeitig ausgezahlt werden.

Und auch eine alte Idee tauchte wieder auf, die vor allem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im vorigen Jahr vorangetrieben hatte, aber am Widerstand Belgiens und Italiens scheiterte:  Die Verwendung eingefrorenen Vermögens der russischen Zentralbank in Höhe von rund 210 Milliarden Euro, das zum größten Teil auf Konten des belgischen Finanzdienstleisters Euroclear lagert. Stattdessen hatte sich ein EU-Gipfel im Dezember eben auf den 90 Milliarden-Kredit geeinigt.

Die Reaktion auf die erheblichen Nachforderungen klang verhalten. Aus einer Runde europäischer Diplomaten, die am Rande der Konferenz über die Finanzierung der Hilfen beriet, war zu hören, es müsse bei jede Lösung sichergestellt sein, dass Investoren nicht von künftigen Einlagen auf dem europäischen Markt abgeschreckt würden.  

 

 Hightechkrieg   

Wie geschickt die Ukraine ihre Kriegsführung gegen den übermächtig scheinenden Gegner Russland bisher angepasst und modernisiert hat, ist bekannt. Die Fortschritte ringen selbst Angehörigen des US-Militärs Bewunderung ab. Nun bahnt sich offenbar der nächste technologische Sprung an: Die Entwicklung und der Einsatz von unbemannten, KI-gesteuerten Systemen, die Menschen besonders in den gefährlichen Frontabschnitten, den sogenannten "kill zones", ersetzen können. Das wäre besonders wichtig, da die Ukraine personalmäßig Russland von Anfang an deutlich unterlegen war und zudem nun von einer heimlich begonnenen Mobilisierung ausgeht, bei der am Ende des Jahres rund 600 000 russische Soldaten an der Front stehen könnten.

 

„Unser Partner muss auf moderne Kriegsführung vorbereitet sein“, so Yevhenii Lasiichuk, Kommandeur einer schneller Eingreiftruppe. Auch modernste schwere Geschütze seien nicht effizient genug. Was vor allem zähle: Agilität und Flexibilität. Taktiken und Technologien würden oft täglich angepasst. „Der Krieg von heute ist extrem schnell, selbst die kleinsten Einheiten fällen heute datengetriebene Entscheidungen. Das ist der Weg, um zu überleben.“ 80 Prozent der Ziele werden demnach schon jetzt durch unbemannte Systeme ins Visier genommen. Nach den Worten von Danylo Tsvok, Chef eines AI-Labs im Verteidigungsministerium,  hat die Ukraine auch ein unbemanntes Luftverteidigungssystem entwickelt, das zu 95 Prozent autonom ist. US-General David Petraeus, der die Frage stellte und bei öffentlichen Auftritten immer wieder die militärtechnologischen Errungenschaften der Ukraine lobt, nickte anerkennend.

 

Zugleich arbeiten sowohl Russland als auch die Ukraine an neuen ballistischen Raketen mit bis zu 850 Kilometer Reichweite, mit denen Ziele tief auf gegnerischem Territorium erreicht werden könnten. Diese Art von Raketen sind besonders tückisch, weil sie in der Endphase mit hoher Geschwindigkeit auf ihr Ziel zustürzen und und die Abwehr schwieriger machen. „Unser Ziel ist es, die Produktion ballistischer Raketen (Russlands) zu stoppen und die Abschussvorrichtungen zu zerstören“, erklärte Vadym Skibitzkyj, Generalmajor im ukrainischen Militärgeheimdienst.

 

Angesichts der rasanten technischen Fortschritte teilte ein französischer KI-Unternehmer am Rande der Tagung eine Befürchtung mit, die bisher eher dem Inhalt von Science-Fiction-Filmen entsprachen. Die Ukraine könne in Zukunft, sagt er, nicht nur Testlabor für den Einsatz neuer Drohnen sein sondern auch für Kampfroboter. „Am Ende haben wir einen Krieg unbemannter Systeme, denn Russland wird immer wieder Antworten auf neue technologische Entwicklungen finden.“  

 

Umstrittene und andere Helden

 

Manche ukrainische Militärs, sagte eine ausländische Diplomatin, sprächen mittlerweile von einem Endkampf gegen Russland – einer ultimativen Kraftanstrengung, die nicht wieder mit Abhängigkeit, Unterdrückung oder Besetzung endet wie in der wechselhaften Geschichte des Landes zuvor.  

 

Junge Männer, die ihr Leben noch vor sich hatten: Auf dem Chreschtschatyk in Kiew wird das Meer von Flaggen und Fotos Gefallener immer größer (Foto: Dometeit)

Aus dieser sucht sich die Ukraine ihre Vorbilder - Menschen, die den Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit verkörpern. Wie Symon Petljura, der als Oberbefehlshaber der ukrainischen Volksarmee und Regierungschef während der kurzen Phase eines eigenständigen Staates zwischen 1917 und 1920 gegen Bolschewiki, die weiße Armee und Polen kämpfte. Auf dem Chreschtschatyk, dem breiten Boulevard im Zentrum von Kiew, direkt gegenüber einem immer größeren Meer von Flaggen, Fotos und Blumen, mit denen die Ukrainer ihre gefallenen Soldaten ehren, stehen mitten auf dem Gehweg riesige Plakate. Konzipiert hat sie das Museum für Nationalgeschichte, und sie zeichnen den Werdegang des Politikers nach:  „Petljura - Ein Leben für die Unabhängigkeit“ . Anderswo stehen Denkmäler, sind Straßen nach ihm benannt.

Doch Petljura ist unter Historikern und vor allem unter jüdischen Organisationen umstritten – ähnlich wie der nationalistische Politiker und NS-Kollaborateur Stepan Bandera, der besonders im Westen der Ukraine verehrt wird. Petljura wird vorgeworfen, für die Ermordung zehntausender jüdischer Zivilisten durch Angehörige der Volksarmee politisch verantwortlich gewesen zu sein. 1926 erschoss ihn im Pariser Exil ein jüdischer Aktivist, der bei den Progromen mehrere Familienmitglieder verloren hatte. Dennoch sprach ein Gericht den Attentäter frei.

 

Wann auch immer der Krieg endet, die Ukraine wird sich danach mit ihrer Geschichte auseinandersetzen müssen, auch im Verhältnis zu Polen. Vor kurzem verlieh Präsident Wolodymyr Selenskij einer Armeeeinheit den Beinamen „Helden der UPA“ , um so die Ukrainische Aufstandsarmee zu ehren, die im Zweiten Weltkrieg unter Führung Banderas Massaker an Polen und Juden verübte. Warschau, das zu den konsequentesten Unterstützern der Ukraine gehört, forderte dafür von Selenskyj einen Orden zurück. Seitdem liegen Spannungen in der Luft. Die UPA sei eine minderheitenfeindliche Organisation gewesen, die tausende ermordete, betonte Polens Außenminister Radoslaw Sikorski. „Aber wenn Deutschland und Frankreich es fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geschafft haben, den Versöhnungsprozess einzuleiten, werden Polen und die Ukraine das ja wohl nach über 80 Jahren auch schaffen.“  

 

Die Rolle der Diplomatie

 

Doch wann und wie endet der Russland-Ukraine-Krieg? Keiner weiß es wirklich, auch auf dieser Konferenz waren keine Patentrezepte zu hören. Nur eines stand fest: Appeasement gegenüber Moskau wollte hier niemand. "Der Krieg kann nur auf einem Weg enden, dem der Verhandlungen" erklärte Jonathan Powell, Nationaler Sicherheitsberater des neuen britischen Premiers Andy Burnham und ein erfahrener Unterhändler im Nordirland-Konflikt, in Kolumbien, im Baskenland. „Eines Tages, wenn wir es am wenigsten erwarten, wird Putin bereit sein für Verhandlungen." Wichtig sei aber, einen Prozess dorthin zu starten, einzelne Probleme wie die Blockade im Schwarzen Meer etwa vorab anzugehen.

 

Polens Außenminister Sikorski und der britische Sicherheitsberater  Powell diskutieren vor dem Foto eines Graffiti des Künstlers Banksy. Auf den Trümmern eines Hauses bei Kiew zeigt es einen Jungen, der einen Mann im Kampfsportdress - offenbar Putin - auf den Rücken wirft. (Foto: YES2026/Victor Pinchuk Foundation)

An den Verhandlungstisch könne Russlands Präsident Wladimir Putin nur durch härtere Sanktionen, ökonomischen Druck besonders im Energiesektor und militärische Stärke gezwungen werden, darin waren sich alle einig, nicht nur auf der Bühne. Die Schattenflotte müsse konsequenter bekämpft werden, in Häfen der Ostsee könnten den Schiffen beispielsweise die üblichen Services verweigert werden. Und Außenminister Sikorski plädierte dafür, „so aggressiv aufzutreten, dass Putin hinsichtlich unserer Absichten verunsichert wird“.

Der deutsche Politikwissenschaftler Carlo Masala zeigte sich indes skeptisch. Putin spiele auf Zeit, er wolle die westlichen Gesellschaften - alle von Finanzproblemen geschüttelt und allmählich kriegsmüde - zermürben.

 

Am kompromisslosesten zeigte sich der britische Ex-Premier Johnson, er warb für die Mitgliedschaft der Ukraine in Nato und EU. „Dies ist ein fundamentaler und imperialer Krieg. Der einzige Weg, das Problem zu lösen, sind klare Aussagen zur Zukunft der Ukraine.“ Andernfalls werde Putin doch sagen: 'Seht, ich habe Euch gewarnt, dass der Westen seine Versprechen brechen wird'. Besonders großer politischer Einfluss wird Johnson allerdings nicht mehr nachgesagt. Wenige Wochen nach Russlands Einmarsch am 24. Februar 2022 hatte er Präsident Selenskyj schon einmal nahegelegt, sich nicht auf Zugeständnisse einzulassen und damit angeblich dazu beigetragen, einen Friedensdeal mit Russland zu verhindern.

Dawyd Arachamija, Fraktionschef der Regierungspartei „Diener des Volkes“, erklärte, er sei überzeugt, dass Russland irgendwann an den Verhandlungstisch zurückkommen werde. Arachamija verhandelte 2022 in Istanbul mit Moskau und scheint auch sonst gute Kontakte in den Kreml zu haben. Er rede mit jedem neuen Mitglied der russischen Führung. Leider sei Putin zur Zeit aber nur von Kriegsanhängern umgeben.    

 

Die große Eskalation?

 

Alles scheint möglich in diesem nun schon viereinhalb Jahre tobenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine: Waffenstillstand, Einstieg in Verhandlungen, eine verübergehende Eskalation, um sich einen guten Ausgangspunkt für Gespräche zu sichern oder die Ausdehnung des Krieges über die Grenzen der Kontrahenten. „Die Ukrainer werden nicht aufgeben, das weiß ich aus eigener Anschauung“, betonte Ex-Google-Chef Eric Schmidt. Dazu dürfte der legendäre Tech-Unternehmer wohl selber kräftig beitragen. Diverse Male besuchte der Amerikaner die Front. Er entwickelt neue Drohnen in Verbindung mit künstlicher Intelligenz, unter anderem Abfangdrohnen zur Abwehr der russischen Shahid. Man wird den Eindruck nicht los, dass dieser Krieg vor allem auch ein ungeheuer gutes Geschäft ist.