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News and Views on Foreign Relations and Diplomacy

Diesmal sind Sie willkommen, Herr Dschingis Khan!

Mit acht Jahrhunderten Verspätung haben Sie es nun doch noch geschafft, nach Berlin zu kommen – und sogar herzlich willkommen zu werden.
October 21, 2026
October 21, 2026

Kolumne von Ewald König

Berlin wird sich an sein Antlitz gewöhnen müssen: Dschingis Khan kommt! Die Ausstellung läuft bis 18. April 2027 (Fotos: Pressefotos Museumsinsel)

Als damals Ihre mordenden Reiterhorden nur 240 Kilometer nah an Berlin herangerückt waren, waren sie alles andere als willkommen. Sie und Ihre Todesmaschinen waren gefürchtet. Berlin war damals noch eine kleine Stadt, gerade erst im Entstehen begriffen. Da war noch keine Verteidigungsbereitschaft herausgebildet. Niemand war auf Ihre Angreifer vorbereitet, die rund um die Uhr attackierten, und das jahrelang. Niemand hatte genug Widerstand entgegenzusetzen. Niemand war darauf eingestellt, dass dieser Mongolensturm einfach nicht stoppte.

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Die Schlacht von Liegnitz (im heutigen Polen unweit des heutigen Sachsens) im Jahr 1241 war die ultimative Bedrohungslage. Bis dahin hatten Sie Länder verheert, Städte und Fürstensitze niedergebrannt und Hunderttausende Menschen getötet. Das junge Berlin blieb verschont. Es hätte wohl keine Chance gehabt.

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Ihre Truppen hatten moderne Waffen, leichte Panzerung, Helme mit freiem Blick sowie neue Taktiken und Strategien. Die Reiter hatten besonders wendige Pferde, waren Meister mit Pfeil und Bogen und konnten sogar rückwärtsgewandt auf große Distanzen einen Pfeilhagel auf die Verfolger abschießen. Diese Ausrüstung und diese Taktik waren der europäischen Verteidigung weit überlegen.

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Das nötigt zwar Respekt ab, aber heute würde nach dem Weltrechtsprinzip Ihr Morden zur Anklage auch in Abwesenheit führen. Auf Verbrechen, die eine Bedrohung für die internationale Gemeinschaft darstellen und die andernfalls straflos bleiben würden, könnten heute Staaten reagieren. Vermutlich hätte Sie dies gar nicht beeindruckt. Sie hätten alles einfach niederwalzen lassen, auch den Internationalen Strafgerichtshof.

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Aber Sie haben auch unglaubliche Leistungen vollbracht, die es im wohl größten Weltreich, das es in der Geschichte der Menschheit je gegeben hat. Anfangs waren Sie der brutale Eroberer, dann formten Sie ein funktionierendes Staatswesen, führten ein sicheres Rechtssystem ein, ließen ein mongolisches Alphabet entwickeln, gründeten Städte und führten Papiergeld ein, was den Handel weltweit blühen ließ und auch Europa veränderte.

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Ab heute haben Sie die Museumsinsel fest im Griff, Ihr Leben ist in der Ausstellung in der James-Simon-Galerie bis 18. April 2027 nachzuvollziehen – mit vielen Exponaten, die die Mongolei zum ersten Mal verlassen und das Dschingis-Khan-Nationalmuseum in Ulan Bator für ein halbes Jahr ziemlich leer aussehen lassen.

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Niemand muss Angst vor Ihnen haben. Ganz im Gegenteil. Die offiziellen Veranstaltungen zum Auftakt der Ausstellung waren von einer Herzlichkeit getragen, die über den üblichen Austausch protokollarischer Höflichkeiten weit hinausgehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier scheint ein großer Anhänger von Ihnen zu sein. Bei seinem Staatsbesuch vor zwei Jahren in der Mongolei hat er den Vertrag für die Ausstellung unterschrieben, und nun freut er sich ehrlich, dass er noch in seiner Amtszeit gemeinsam mit seinem Amtskollegen Ukhnaa Khurelsukh die Show über Sie eröffnen konnte.

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Die Ausstellung regt zum Nachdenken an. Was hat das alles mit uns zu tun? Wie sähe Europa aus, wenn Sie weitergemacht hätten? Was können wir von Ihnen lernen?

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Diesmal, sehr geehrter Herr Dschingis Khan, sind Sie nicht gefürchtet, sondern willkommen.

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diplo.news veröffentlichte schon sehr frühzeitig Beträge über diese Ausstellung und ein Interview mit Matthias Wemhoff, dem Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in den Staatlichen Museen zu Berlin: Dschingis Khan und das Gespür für Weltgeschichte