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Dschingis Khan und das Gespür für Weltgeschichte

Die „Goldenen Horden“ der Mongolen schafften es einst fast bis Berlin. Dschingis Khan, Gründer des mongolischen Weltreiches, ist 800 Jahre nach seinem Tod Mittelpunkt einer Ausstellung.
July 16, 2026
July 16, 2026

Interview mit Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin

 

Von Ewald König

Der Globus war ihm zu klein: Dschingis Khan und sein Weltreich. Die Ausstellung in Berlin wird ein Highlight von Kulturdiplomatie. Sie findet von 21. Oktober 2026 bis 18. April 2027 in der James-Simon-Galerie statt (Fotos: Chinggis Khaan National Museum)

2027 jährt sich das Todesjahr Dschingis Khans zum 800. Mal. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen widmet ihm in Berlin eine große Ausstellung. Wie kam es zu diesem großen Projekt?

 

Das hat eine längere Vorgeschichte. Wir hatten in den letzten Jahren im Museum für Vor- und Frühgeschichte eine starke Ausrichtung nach Zentralasien. Wir waren auch lange schwerpunktmäßig mit Russland beschäftigt, vor allem mit dem Thema Beutekunst und unseren Beständen in Russland.

Daraus haben sich verschiedene Vernetzungen ergeben. 2018 machten wir eine Ausstellung mit Turkmenistan und 2022 eine mit Usbekistan. Schon vor Jahren hatten wir – auch mit russischen Kollegen – überlegt, ob wir nicht einmal den Mongolensturm nach Westen als Thema einer Ausstellung nehmen. Es gibt so viele archäologische Funde, mit denen wir den Nachweis des mongolischen Überfalls und des westlichen Vordringens tatsächlich bringen können.

Daraus entwickelte sich die Idee, eine Ausstellung direkt mit der Mongoleizusammen zu machen, um diesem Gesamtphänomen – Dschingis Khan und seine Erben – auf den Grund zu gehen und diese Verbindung von Karakorum bis fast nach Berlin, nämlich bis nach Liegnitz zu schlagen, dem heutigen Legnica bei Breslau.

Dschingis Khan

Wie ist diese Idee in der Mongolei angekommen?

 

Als wir erste Kontakte mit den mongolischen Partnern aufgenommen haben, hat sich alles schnell sehr positiv entwickelt. Im Februar 2024 durfte ich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begleiten. Dort haben wir in Anwesenheit von beiden Präsidenten die Vereinbarung über die Ausstellung unterschrieben. Das zeigt deutlich, dass es wirklich eine wichtige zwischenstaatliche Maßnahme ist.

 

Wie unterschiedlich sind die deutsche und die mongolische Wahrnehmung von Dschingis Khan?

 

Genau darum geht es, also um eine Art von Wahrnehmung und um einen Blick in Deutschland auf mongolische Geschichte. Wenn man in der Mongolei ist, merkt man sofort, wie alles mit Dschingis Khan verbunden ist, dass er der Staatengründer und der große Nationalheld ist. Man sieht die Statue am Eingang des Parlaments. Für die mongolische Seite ist das mit einer ganz großen Bedeutung versehen.

Aus europäischer Sicht ist mit ihm und seinen Nachfolgern eine enorme Bedrohung verbunden. Auf jeden Fall haben die Mongolen den Lauf der Weltgeschichte entscheidend geprägt. Die Auswirkungen sehen wir bis heute.

 

Wie war die Zusammenarbeit mit den Museen in der Mongolei?

 

Wir hatten von Anfang an sehr gute Ansprechpartner. In der Hauptstadt Ulaanbaatar gibt es seit einigen Jahren das Dschingis-Khan-Nationalmuseum. Dort werden viele herausragende Objekte präsentiert, die vorher auf mehrere Sammlungen verteilt oder überhaupt nicht gezeigt gewesen sind. Bestände aus anderen Museen und aus der Akademie der Wissenschaften wurden zusammengezogen. Die Ausstellung ist museal sehr gut gestaltet. Mit dem Direktor konnten wir alle Fragen zielgerichtet klären und eine hochrangige Liste von Leihgaben vereinbaren. Ich muss sagen, wir sind ganz wunderbar aufgenommen worden.

 

Was soll uns die Ausstellung sagen?

 

Wir beginnen gleich mit der Situation, in der die Mongolen unmittelbar vor den Grenzen des Deutschen Reiches stehen. Sie hatten aus den Reitervölkern der ostasiatischen Steppe das schlagkräftigste Heer der Zeit geformt: Schnell, unaufhaltsam und erbarmungslos. Die drohende Gefahr sprach sich wie ein Lauffeuer herum und wurde als eine himmlische Gefahr gedeutet: Die Tataren kommen, der Schlund der Hölle ist offen.

 

Die archäologischen Funde sind eindrücklich. Man kann die Zerstörungsgewalt nachvollziehen, die die Mongolen mit sich gebracht haben. Es gab keine Möglichkeit, ihnen Widerstand entgegenzusetzen. Sogar befestigte Orte hatten auf Dauer keine Chance. Viele wurden direkt aufgegeben, auch wenn man den sicheren Tod erwarten konnte. So erfahren waren die Mongolen inzwischen auch in der Belagerungstechnik.

 

Auch das schlesische Ritterheer wurde 1241 auf der Wahlstatt bei Liegnitz aufgerieben. Damit standen die östlichen Teile des Deutschen Reiches ohne Schutz da. Die komplette mittelalterliche Geschichte hätte anders laufen können, wenn nicht der ganze Tross abgezogen wäre, erst Richtung Ungarn, den ungarischen König verfolgend, und dann wieder zurück, weil der Großkhan gestorben war. Damit war die westlichste Stufe der Expansion erreicht. Also so nah standen sich tatsächlich Mongolen und Deutsche gegenüber.

 

Ich finde das erstaunlich, denn in unserer Vorstellung ist die Mongolei immer noch unendlich weit weg, doch sie hatten das größte Landreich der Weltgeschichte geschaffen und herrschten über 6.000 Kilometer von Korea bis nach Ungarn.

 

Ich glaube, die Ausstellung wird ein Gespür dafür entwickeln, wie wichtig die Ereignisse auch im fernen Osten für die europäische Geschichte sind. Das ist wirklich Weltgeschichte, die da immer wieder passiert, diese Bewegungen aus dem Osten, die durch alle Jahrhunderte enorme Folgen hatten. Bei den Mongolen lässt es sich vermutlich am besten fassen. Daher zeigen wir Dschingis Khan und seine Herkunft.

 

Die Ausstellung zeigt Stücke aus einem halben Jahrtausend reiternomadischer Lebenswelten in bisher noch nicht gesehener Vielfalt. Archäologische Schätze aus der Mongolei werden ergänzt durch Leihgaben aus Polen und Rumänien sowie aus dem Deutschen Historischen Museum, aus der Staatsbibliothek zu Berlin und aus anderen Sammlungen der Staatlichen Museen.

 

Mongolische Krieger

Wie schwierig waren die Verhandlungen um Exponate?

 

Wir hatten nach unseren Rundgängen vor Ort in Karakorum und nach längeren Reisen eine anspruchsvolle Leihliste. Aber wir sind damit auf offene Ohren gestoßen. Wir haben die hochrangigen Stücke alle zugesagt bekommen, so dass wir schon früh wussten, was im Oktober 2026 nach Berlin kommt.

 

Stammen alle Stücke direkt aus der Mongolei?

 

In einigen Bereichen geht es über die Bestände aus der Mongolei hinaus. Wir wollten ja den Brückenschlag bis hierhin machen. Das heißt, wir haben viele Funde auch aus Polen dabei, wo man diese mongolischen Truppen gut nachweisen kann, aber auch aus Rumänien, sodass wir auch diese späten Westfeldzüge entsprechend fassen können. Daraus entwickelt sich eine wirklich spannende Ausstellungskonzeption.

 

Wie viele Objekte gibt es von ihm selbst zu sehen?

 

Es gibt keine Objekte, die direkt mit Dschingis Khan verbunden sind. Man muss sich auf Ausgrabungsfunde aus der Zeit stützen, etwa aus Gräbern aus dem Umfeld der Familie der Dschingisiden, die uns mit ihrer Ausstattung eine Vorstellung von der Bewaffnung und der Kleidung geben. Auch reich ausgestattete Frauengräber sind in der Mongolei entdeckt worden, die von der großen Bedeutung der Frauen in den Familien zeugen.

Es gibt eindrucksvolle Steinskulpturen, die nomadische Herrscher darstellen. Davon werden wir eine – die wohl schönste – ausleihen. Sie wird in der Ausstellung stellvertretend für Dschingis Khan stehen.

 

Wie bekommt man so ein Thema in den Griff?

 

Wir thematisieren die enorm schnelle Expansion, die Eroberung Richtung China, dann diese Eroberung Richtung Zentralasien.  Und wir zeigen die Art und Weise, wie dieses Reich mit großer Rücksichtslosigkeit auf die Bevölkerung entstanden ist.

Die Mongolen haben extreme Veränderungen östlichen Europa und in Asien bewirkt und große Reiche in kürzester Zeit zusammenbrechen lassen. Die andere Seite, nach der brutalen Eroberung, ist die sehr modern wirkende Ausrichtung, die sie ihrem Reich gegeben haben. Die Pax Mongolica wird zu einem feststehenden Begriff, der mongolische Friede, der den sicheren Handel über diese weiten Strecken garantiert, ebenso die Religionsfreiheit, die in dem großen Reich galt.

 

Die Handelsrouten, die unter den Mongolen frei zugänglich gewesen sind, haben den Handel beschleunigt und den Warenaustausch gesteigert. Viele profitierten vom schnellen Durchgang durchs mongolische Reich. Insbesondere die norditalienischen Händler haben diese Chance genutzt und so ihre Stellung in Europa ausgebaut. Die Stärkung des Mittelmeerraumes hängt wesentlich mit der Entwicklung der Mongolei zusammen.

Viele andere Aspekte streifen wir nur am Rande, obwohl sie ebenfalls sehr folgenreich sind. Die Goldene Horde hat die Geschichte Russlands für Jahrhunderte geprägt und von europäischen Entwicklungen abgetrennt.

 

Als Sie mit der Idee und der Konzeption der Ausstellung begonnen haben, gab es noch keine Invasion in der Ukraine…

 

Nein, die gab's noch nicht. Wir haben ja schon 2014/2015 begonnen.

 

… und keinen Gaza-Krieg. Trotzdem: Alles, was Sie erzählen, klingt aktuell, als wollten Sie darstellen, mit welcher Brutalität die Bevölkerung neu organisiert wurde. Man könnte jetzt an den Gaza-Krieg denken. Oder bei der Ausweitung des Reiches von Dschingis Khan könnte man an Putin denken. Also das drängt sich jetzt alles auf, obwohl es nicht beabsichtigt war?

 

Ja, die Themen haben eine erschreckende Aktualität gewonnen. Wer hätte geglaubt, dass militärische Expansion, der Zusammenbruch von etablierten Großreichen und deren mangelnde Verteidigungsfähigkeit so aktuell sein werden.

 

Innerhalb des Herrschaftsgebiets gab es doch unendliche Naturräume. Wie ging das?

 

Natürlich, grüne Steppen, Hochgebirge und riesige Wüstengebiete prägen das Reich. Und die nomadisch lebenden Mongolen konnten sich an alle diese unterschiedlichen Naturräume anpassen. Man kann diese riesigen Gebiete nicht einfach mit dem europäischen Auge betrachten. Dahinter steht immer ein starker Mensch, der den Impuls gibt. Die größte Ausdehnung kam allerdings erst unter Dschingis Khans Nachfolgern zustande. Die haben aber auf einer Basis aufbauen können, die ohnegleichen war. Sobald diese starke Persönlichkeit fehlt, zerfällt das Reich wieder, fragmentiert sich und wird auf einzelne Herrschaften aufgeteilt.

 

Wie schaffte man damals die gigantische Ausdehnung? Welche Techniken hatten sie?

 

Der Kern des mongolischen Heeres ist die Reiterei. Sie unterscheidet sich von den westlichen schwer gepanzerten und ziemlich unbeweglichen Ritterheeren. Die Mongolen sind schnell, beweglich und trickreich. Immer wieder täuschen sie Rückzüge vor und vernichten dann die nachstürmenden Gegner mit Angriffen von allen Seiten. Dazu kommt die pure Menge der abgeschossenen Pfeile. Man sagt, dass ein mongolischer Reiter bis zu 30 Pfeile in der Minute abschießen kann! Das ist ein einziger Pfeilhagel.

 

Und wie schafften sie die enormen Territorien logistisch?

 

Sie haben sich mit einer sehr ausführlichen Logistik und viel Spionage vorbereitet. Sie haben Gefangene verhört und deren Informationen genutzt. Aber auch Gesandte wurden über ihre Herkunftsländer ausgefragt. Dazu kommen kleine Stoßtrupps, die tief in den nicht eroberten Raum vorstoßen und dann den Heerführern berichten.

 

Sie erwähnten die schnelle Aneignung fremder Techniken. Haben Sie ein Beispiel?

 

Ja, sie haben fremde Techniken schnell übernommen. Sie eroberten China mitden zahlreichen Städten und schon bald die riesige Stadtanlage, die dem heutigen Peking voranging. Dazu mussten die nomadischen Reiterkrieger jedoch zunächst einmal eine Vorstellung von Belagerungstechnik bekommen. Beim ersten Mal waren sie noch völlig verzweifelt, wie man so eine Stadt erobern könnte, beim zweiten Mal hatten sie schon die ersten Techniken angewandt. Und beim dritten Mal gingen sie planvoll vor. Sie hatten die besten Mineure in ihr Heer eingefügt, bauten Belagerungsmaschinen und brachten die Stadtmauern durch Unterminieren, durch das Schleudern von Steinkugeln und durch Brandsätze zum Einsturz.  

 

Sehen Sie die Ausstellung als besondere kulturdiplomatische Aufgabe?  

 

Ja, das ist mir wichtig: Was wir machen, ist viel kulturelle Beziehungsarbeit, und es hat auch etwas mit Diplomatie zu tun. Als wir das Projekt in Turkmenistan begannen, hat es auch Jahre gebraucht, bis wir eine Vertrauensbasis hatten. Wir wollen aber daran anknüpfen und 2028 noch einmal eine weitere Ausstellung mit Turkmenistan machen.

 

Es geht da um eine einen großen parthischen Königsschatz. Auf einer Ausgrabungsstätte in Nisa nahe Aschgabat in den dreißiger Jahren wurde ein gutgefülltes Schatzhaus aus parthischer Zeit ausgegraben. Man fand tolle Elfenbein-Rhyta, große, reich verzierte Trinkhörner, in unglaublicher Qualität. Ein Teil davon ist in Petersburg, ein Teil ist in Turkmenistan geblieben. Sie sind heute im Nationalmuseum in Aschgabat sehr schön ausgestellt und waren noch nie ausgeliehen. Wir möchten diese Funde gerne 2028 in Berlin präsentieren.

 

Ist es nicht traurig, dass große Ausstellungen häufig von Gewaltherrschern zeugen, wogegen jene, die friedliche Arbeit machen, untergehen?

 

Die Archäologie erfasst heute Zeugnisse von Menschen aus allen Schichten einer Gesellschaft, dabei haben diejenigen, die viel besitzen und verbrauchen, auch hier einen größeren Fußabdruck hinterlassen. Natürlich sind Zeiten des Umbruchs, des Krieges und der Gewalt im archäologischen Befund häufig sehr gut und intensiv zu erkennen. Aber es gibt auch die langen Phasen des Friedens, die zur Blüte von Städten und zum Ausbau der Landschaft geführt haben und die besonders schöne Spuren hinterlassen.

 

Gleiches gilt für die Mongolen. Nach der Phase der Expansion kommt auch eine Phase des Ausbaus und der kulturellen Blüte, etwa im Ilkhanat, das in Persien und angrenzenden Gebieten bestand. Aus einem dortigen Palast zeigen wir in Berlin aufbewahrte Grabungsfunde, die den kulturellen Austausch belegen.

 

Sind in der Dschingis-Khan-Ausstellung auch Exponate dabei, die zum ersten Mal aus der Mongolei rauskommen?

 

Ja, wir haben eine ganze Menge von noch nie gezeigten Exponaten. Außerdem sind ganz frische Grabungsfunde dabei. Das ist wirklich klasse.

Wir versuchen auch, einen Blick in das Land zu ermöglichen, etwas von der landschaftlichen Wirkung zu vermitteln. Wir legen einen großen Schwerpunkt auf die Stadt, die direkt mit Dschingis Khan und seinen Nachfolgern verbunden ist: Karakorum, im 13. Jahrhundert die Hauptstadt des Mongolischen Reiches, von der es auch Reiseberichte von westlichen Gesandten gibt. Es ist sehr aufschlussreich, diese mit den Grabungsergebnissen der mongolisch-deutschen Forschungen der letzten beiden Jahrzehnte zu vergleichen.

 

Das waren doch Nomaden. Ist es nicht merkwürdig, dass Nomaden Städte gründeten?

 

Diese Frage kann man sich wirklich stellen. Auch die Frage, wie diese Stadt aussah. Aber die Nomaden brauchen ja auch einen Anlaufpunkt für auswärtige Gesandte und für Händler, sie müssen irgendwo untergebracht sein und kontrolliert werden. Wo geht das besser als in einer Stadt?

 

Welche Bedeutung hat so eine Stadt in nomadischer Lebensweise?

 

Selbst der Hof band sich nicht lange an die Stadt. Man besuchte sie zu festen Terminen im Jahreslauf. So ähnlich regierte etwa Karl der Große in seinem Reich. Die mongolischen Herrscher lebten in großen Jurtenlagern vor der Stadt und besuchten sie nur für die Empfänge im Palast.  

 

Wie finden sich in der Ausstellung die archäologischen Fundorte wieder?

 

Wir gehen immer von Fundorten aus, an denen bestimmte Aspekte besonders klar hervortreten. Dann geht's zum nächsten Fundort. Wir versuchen also, wie Archäologen etwas aufzurollen und ein bestimmtes Bild zu zeichnen. Dabei sind Fundorte wie Karakorum oder Karabalgasun, eine große Stadtanlage der Uiguren aus dem 9. Jahrhundert, besonders aussagekräftig.

An der Stadt Karakorum können wir dann den Handel der Mongolenzeit, den internationalen Warenaustausch, aber auch die innere Organisation wie das Geldwesen – die Mongolen führten bereits Papiergeld ein! – oder die Ausgabe von Pässen, die Reisefreiheit und Unterstützung garantieren, aufzeigen.

 

Die Mongolen besaßen die  Fähigkeit, Verwaltungsstrukturen für das große Reich aufzubauen. Dazu gehörte auch eine Sammlung von Rechtstexten, die zwar häufig drakonische Strafen vorsah, aber doch eine Sicherheit im Reich schaffte, die dazu führte, dass Reisende ungefährdet unterwegs waren. 

 

Was mich fasziniert, ist das Nachrichtensystem. Wie viele Kilometer die Reiter in der Stunde schaffen konnten, ist unglaublich. Sie haben dafür mehrere Pferde mitgeführt, die sie schnell wechselten, damit sie sicher ihre 100 oder sogar 200 Kilometer am Tag schaffen konnten.

Vorläufer des Reisepasses: Replik eines Passierscheins Dschingis Khans und seiner Boten

An den Stationen konnte der Reiter sofort auf das bereitstehende Pferd wechseln oder die mitgeführte Botschaft übergeben Die Boten der Nachricht hatten eine besondere Plakette bei sich, ähnlich wie ein heutiger Reisepass. Die Plakette berechtigten die Boten, Zugriff auf die besten Pferde und innerhalb der Poststation Zugriff auf die besten Begleiter zu haben.

 

Und wann ist die Ausstellung zu sehen?

 

Vom 21. Oktober 2026 bis 18. April 2027 in der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel. Sie wird ein wichtiger Meilenstein in den Beziehungen der beiden Länder sein. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird den mongolischen Präsidenten Ukhnaa Khurelsukh zum Staatsbesuch empfangen. Beide nehmen an der Eröffnung teil.  

 

Die Gesamtleitung des Ausstellungsprojektes hat Matthias Wemhoff inne, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin. Kuratoren sind Anton Gass, Heino Neumeyer und Benjamin Wehry (Museum für Vor- und Frühgeschichte).

 

Ein Vorausbericht erschien auf diplo.news im vergangenen Jahr