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Türkische Rüstungsindustrie wirbt in Berlin um Talente aus der türkischen Diaspora

Der internationale Erfolg der türkischen Verteidigungsindustrie stößt an personelle Grenzen. Gesucht werden Ingenieure – auch unter Deutschtürken
June 25, 2026
June 25, 2026
Viele junge Deutschtürken waren der Einladung in die türkische Botschaft gefolgt, um sich die Karriereperspektiven anzuhören (Foto: Türkische Botschaft) 

Die junge Generation der türkischen Diaspora in Deutschland und speziell in Berlin wird neuerdings als Reservoir von Fachkräften für die türkische Wirtschaft entdeckt. Die Turkish Aerospace Industries (TAI) plant, ihre Mitarbeiterzahl von derzeit 16.000 auf 50.000 zu erhöhen und ihre Produktionskapazitäten in den kommenden zehn Jahren massiv auszubauen. Das erklärte TAI-Generaldirektor Mehmet Demiroğlu jüngst bei einer Veranstaltung in der Türkischen Botschaft in Berlin.

 

Rund 300 Studenten verschiedener Berliner Hochschulen nahmen an dem Treffen teil, bei dem Karrierechancen in der türkischen Luft- und Raumfahrtindustrie sowie Möglichkeiten einer Rückkehr hochqualifizierter Fachkräfte in die Türkei im Mittelpunkt standen.

 

„Wir haben überhaupt keine Probleme mit dem Verkauf unserer Produkte. Unsere Produktionsanlagen sind für die nächsten drei Jahre vollständig ausgelastet. Aber was wir brauchen, sind mehr Ingenieure“, sagte Demiroğlu.

 

Produktion wächst auf das Zwölffache

 

Nach Angaben des TAI-Generaldirektors soll die Produktionskapazität des Unternehmens in den kommenden zehn Jahren auf das Zwölffache wachsen. Um dieses Ziel zu erreichen, plant das Unternehmen eine erhebliche Erweiterung seiner Belegschaft und sucht insbesondere Ingenieure und technische Fachkräfte.

Gleich in seiner Eröffnungsrede kam Mehmet Akkoç, Vizepräsident der Union Internationaler Demokraten (UID), auf eine neue Entwicklung in der türkischen Diaspora zu sprechen. Die jüngere Generation der in Deutschland lebenden Menschen türkischer Herkunft sehen demnach die Türkei anders als ihre Vorgängergeneration. Die Wahrnehmung habe sich gewandelt. In der Vergangenheit hätten viele die Entwicklungen in ihrem Herkunftsland mit Skepsis betrachtet. Jetzt aber wachse das Interesse an der Türkei, verbunden mit neuem Selbstbewusstsein.

 

Als einen wichtigen Grund nannten die Referenten die technologischen Fortschritte der türkischen Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie. Projekte wie das Kampfflugzeug KAAN, die Bayraktar-Drohnen, das amphibische Angriffsschiff TCG Anadolu sowie die steigenden Exportzahlen der Verteidigungsindustrie hätten international Aufmerksamkeit erregt und das Bild von der Türkei als Technologie- und Industriestandort verändert.

 

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das nationale Kampfflugzeug-Programm KAAN. Rückblickend auf den Erstflug erklärte Demiroğlu: „Als KAAN abhob, änderte sich die Art und Weise, wie wir uns als Nation sahen.“ Mit dieser Aussage beschrieb er die Bedeutung des Projekts für das nationale Selbstvertrauen und das technologische Selbstverständnis des Landes.

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung waren Initiativen zur sogenannten „umgekehrten Abwanderung von Fachkräften“ (Reverse Brain Drain). Vertreter von TAI warben dafür, dass im Ausland ausgebildete türkische Ingenieure und Wissenschaftler ihre Kenntnisse und Erfahrungen in strategischen Zukunftsbranchen in der Türkei einbringen. Die rasante Entwicklung der Luft- und Raumfahrtindustrie schaffe zunehmend Karrieremöglichkeiten, die auch im internationalen Vergleich attraktiv seien.

 

In der anschließenden Fragerunde erkundigten sich die Studienten nach Praktika, Einstiegsmöglichkeiten und langfristigen Karriereperspektiven. Die Vertreter von TAI betonten erneut, dass nicht die Nachfrage nach Produkten die größte Herausforderung darstelle, sondern die Gewinnung ausreichend qualifizierter Fachkräfte. Die Veranstaltung machte deutlich, wie die Türkei ihre technologischen Ambitionen weiter ausbaut und dabei verstärkt auf die Unterstützung hochqualifizierter Talente aus der Diaspora setzt.

 

Erdal Telli