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News and Views on Foreign Relations and Diplomacy

Gartendiplomatie im Schutz der Schamanen

Koreanischer Botschafterempfang der anderen Art in den „Gärten der Welt“
July 7, 2026
July 7, 2026
Die Tänzerinnen des Berlin Korean Dance Projects brachten Farbe und Harmonie auf den Empfang (Fotos: Ewald König)

Braucht die heutige Diplomatie einen Schuss Schamanismus? Die Botschafter, die am Sonntag der Einladung in den Koreanischen Garten gefolgt waren, standen unter dem Schutz der koreanischen Schamanen, vermutlich ohne es zu wissen. Die aufgestellten Holzfiguren, Totem- und Geisterpfähle dienen den Menschen dazu, ihre Wünsche in die oberen Welten zu übermitteln und sie vor Katastrophen zu schützen. Somit böte sich die koreanische Schamanenkultur als Instrument der heutigen Diplomatie an: Schamanen als Boten für Wünsche und als Schutz vor dem Bösen.

 

Die Schamanen waren jedoch nicht das Hauptthema, als zahlreiche Botschafter – gesehen wurden die Missionschefs aus Korea, Katar, Südafrika, Ecuador, Chile, Vietnam und etliche andere – am Empfang teilnahmen. Ein diplomatischer Empfang im Koreanischen Garten, einem der schönsten in den „Gärten der Welt“ in Berlin-Marzahn.

Südkoreas Botschafter Lim in einer seiner letzten Amtshandlungen – er verlässt Berlin in Kürze

 

Hauptthema war ein Jubiläum. Der Koreanische Garten ist zwanzig Jahre alt. Grund genug für die Republik Korea und für die Grün Berlin GmbH, dieses harmonische Symbol der 140-jährigen diplomatischen Beziehungen zu feiern.

 

Der Koreanische Garten wurde 2006 als gemeinsames Projekt der Städte Seoul und Berlin eröffnet. Südkoreas Botschafter Lim Sangbeom hob die Authentizität des Gartens hervor. Denn es waren nicht nur koreanische Landschaftsarchitekten, Zimmerer und andere Handwerker, die aus Korea eingeflogen kamen, sondern auch die originalen Holz- und Baumaterialien, die mit traditionellen Handwerkstechniken verarbeitet wurden, sowie Kunstwerke stammten aus Korea. Somit ist der Koreanische Garten nicht eine Kopie oder eine Interpretation koreanischer Gartenkunst, sondern ein durch und durch authentischer koreanischer Garten.

 

Als Vorbild, so erläuterte Botschafter Lim, dienten die historischen Anlagen Dokrakdang und Gyejeong in Gyeongju. Sie stehen für die harmonische Verbindung von Natur, Architektur und koreanischer Philosophie. Besucher sollen sich in die Joseon Dynastie, die 500 Jahre lang währte, versetzt fühlen – und Korea nicht nur mit K-Pop oder K-Dramen assoziieren.

Der Garten war damals ein Geschenk der Hauptstadt Seoul an Berlin. Korea hatte – im Gegensatz zu den anderen Gärten der Welt – alle Kosten selbst übernommen. Er dient nicht nur als Rückzugsort für innere Ausgeglichenheit, sondern gleichsam als Spiegel des Universums. Mit den Elementen von Konfuzianismus, Buddhismus und eben der Schamanenkultur zeigt die Anlage eine tiefgründige philosophische Symbolik. Mit anderen Worten: der perfekte Ort für entspannte Gartendiplomatie und internationale Begegnungen.

 

Auch die örtliche Politik steuerte Grußworte bei, etwa die Bezirksbürgermeisterinvon Marzahn-Hellersdorf, Nadja Zivkovic (CDU); Staatssekretär Andreas Kraus (CSU) vom Senat für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt; zudem sprachen Christoph Schmidt, Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, und die „Parkbotschafterin“ Beate Reuber, die sich noch erinnert, wie spannend die Entstehung war. Denn die eingeflogenen Koreaner schufen ihren Garten auf sehr geheimnisvolle Weise.

 

Im nächsten Jahr feiern die Gärten der Welt ihr vierzigjähriges Bestehen. Sie waren – noch unter anderem Namen – 1987 in der DDR gegründet worden. Sie sind die weltweit einzige Gartenanlage dieser Art.

 

ekö

 

Die Botschafter Katars und Koreas, Al-Hamar (li.) und Lim
Beate Reuber, "Parkbotschafterin" der Gärten der Welt, erinnert sich an die Anfänge des Koreanischen Gartens