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Wie sich Baku auf sein Weltforum für Interkulturellen Dialog vorbereitet

Aserbaidschan versteht sich als Schnittstelle europäischer und asiatischer Kulturen und möchte mit einer Konferenz seine Erfahrungen an die Welt weitergeben. Botschafter Nasimi Aghayev lud zum Gespräch. 
July 12, 2026
July 12, 2026
Der Feuertempel (hier ein Bild von 1860) als Beispiel für die Vielfalt. Er diente hinduistischen Ritualen. Das Feuer wurde von natürlich austretendem Erdgas gespeist – bis eine Ölförderanlage in der Nähe in Betrieb genommen wurde (Foto: Archiv) 

Das 7. Weltforum für Interkulturellen Dialog findet von 27. bis 29. Oktober 2026 in der Hauptstadt von Aserbaidschan statt. Die besondere geografische Lage des Landes als Schnittstelle habe eine einzigartige Tradition des friedlichen Zusammenlebens hervorgebracht, sagte Botschafter Nasimi Aghayev vor Journalisten in Berlin. „Hier treffen seit Jahrtausenden unterschiedliche Völker, Religionen und Kulturen aufeinander.“ Die historische Rolle des Landes als Knotenpunkt der Seidenstraße habe den Austausch zwischen Zivilisationen geprägt. Dafür brachte er zahlreiche Beispiele aus der Geschichte – etwa dass Aserbaidschan eines der ersten frühchristlichen Länder der Welt sei.  

Religiöse Vielfalt mit jahrtausendealten Wurzeln

Noch bevor der Islam im 7. Jahrhundert zur Mehrheitsreligion wurde, war das Gebiet des heutigen Aserbaidschan Heimat verschiedener Glaubensgemeinschaften. Die Spuren des Zoroastrismus seien bis heute sichtbar. In der Nähe von Baku befindet sich der historische Feuertempel Ateschgah, der über Jahrhunderte hinweg als Pilgerstätte diente. Noch heute reisen Parsen aus Mumbai und anderen Teilen Indiens jährlich nach Aserbaidschan, um dort religiöse Rituale zu vollziehen. Für viele Angehörige dieser Glaubensgemeinschaft besitzt der Tempel eine ähnlich hohe spirituelle Bedeutung wie die Kaaba für Muslime.

Das Panel (v.r.n.l.): Isa Mammadov, Leiter des Kulturzentrums; Nasimi Aghayev, Botschafter von Aserbaidschan; Ewald König, Moderator; Aiman Mazyek, eh. Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (Foto: Nader Mohamed)

Das Christentum blickt in Aserbaidschan auf eine besonders lange Geschichte zurück. Der Apostel Bartholomäus soll im ersten Jahrhundert in die Region gekommen sein, um den christlichen Glauben zu verbreiten. Schon in dieser Zeit entstanden die ersten christlichen Kirchen, von denen einige bis heute erhalten sind.

Ein historischer Meilenstein war das Jahr 313: Das damalige Kaukasische Albanien – ein historischer Staat im Gebiet des heutigen Aserbaidschan und nicht mit dem heutigen Albanien auf dem Balkan zu verwechseln – erklärte das Christentum zur Staatsreligion. Damit gehörte es zu den ersten christlichen Staaten der Welt. Auch nachdem der Islam im 7. Jahrhundert zur dominierenden Religion wurde, blieben christliche Gemeinden bestehen und entwickelten sich kontinuierlich weiter.

Ebenso tief verwurzelt ist das Judentum in Aserbaidschan. Nach Darstellung des Botschafters kamen die ersten jüdischen Gemeinschaften bereits vor rund 2.000 Jahren über das damalige Persien in den Kaukasus. Sie siedelten sich vor allem in den Bergregionen des Landes an und werden deshalb bis heute als Bergjuden bezeichnet.

Diese Gemeinschaft gehört zu den Mizrachim-Juden, deren Wurzeln im Nahen Osten liegen und die nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem in den Osten ausgewandert sind. Heute leben in Aserbaidschan rund 20.000 Juden.

Sunniten und Schiiten in einer Moschee

Heute sind etwa 95 Prozent der Bevölkerung Aserbaidschans Moslems. 70 Prozent gehören dem schiitischen, 30 Prozent dem sunnitischen Islam an. Laut Botschafters zeichnet sich das Land besonders dadurch aus, dass Schiiten und Sunniten ihre Religion nicht getrennt, sondern vielfach gemeinsam praktizieren. Ein Beispiel sei die Heydar-Moschee in Baku, die größte Moschee des Landes, wo sich schiitische und sunnitische Geistliche in der Leitung des Freitagsgebets abwechseln – „Was hier passiert, ist unvorstellbar in vielen anderen Teilen der Welt.“

Nach Auffassung des Botschafters ist religiöse Harmonie wichtige Voraussetzung für Sicherheit und gesellschaftliche Entwicklung. Deshalb lege Aserbaidschan großen Wert auf die konsequente Trennung von Religion und Staat. Als säkularer Staat sehe das Land den Pfeiler seiner Unabhängigkeit und ein Mittel im Kampf gegen Extremismus und Radikalisierung. 

Schwäbische Spuren in Aserbaidschan

In Deutschland sei die Geschichte der württembergischen Schwaben in Aserbaidschan kaum bekannt. Vor rund zwei Jahrhunderten, im Jahr 1817, seien pietistische Familien aus Württemberg in den Südkaukasus ausgewandert. Die Siedler gründeten Orte mit deutschen Namen wie Helenendorf oder Traubenfeld, errichteten Kirchen und prägten die Region architektonisch. Viele dieser Bauwerke sind bis heute erhalten und gehören zum deutsch-aserbaidschanischen Kulturerbe.

Auch der deutsche Architekt Nikolaus von der Nonne hinterließ bleibende Spuren. Als Stadtbaumeister in Baku verband er europäische Architektur mit orientalischen Elementen, was bei den Einheimischen gut ankam. Seine Bauwerke prägen bis heute das Stadtzentrum.

Säkularität als Grundlage

Der Botschafter nannte Aserbaidschan ein seit Jahrhunderten einzigartiges Vorbild für Multikulturalismus. Die Geschichte des Landes stehe exemplarisch für friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen. Die jahrhundertelange Tradition religiöser Vielfalt sei durch die konsequente Säkularität des Staates gesichert. Indem Aserbaidschan seine eigenen Erfahrungen auf die globale Bühne übertrage, sei es zum Initiator von immer einflussreicheren Initiativen wie dem Baku-Prozess und dem Weltforums für Interkulturellen Dialog geworden. 

Isa Mammadov, Leiter des Aserbaidschanischen Kulturzentrums in Berlin, stellte den Baku-Prozess und das bevorstehende 7. Weltforum für Interkulturellen Dialog vor, das im Oktober stattfindet. Der 2008 gegründete Baku-Prozess habe sich zu einer einflussreichen globalen Plattform zur Stärkung des interkulturellen Dialogs entwickelt. Die Hauptveranstaltung sei das Weltforum für Interkulturellen Dialog, das seit 2011 alle zwei Jahre stattfinde. Bislang seien in sechs Foren mehr als 10.000 Teilnehmer aus 180 Ländern zusammengekommen. Aiman Mazyek, ehemaliger Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, betonte, dass die Organisation dieses Forums in einer so schwierigen Zeit eine wichtige internationale Errungenschaft sei.

ekö