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Das Ende von Euractiv und ein neuer Anfang

Focus Europe: Frühere Teams von Euractiv sind ab sofort Partnerredaktionen von diplo.news
October 4, 2026
October 4, 2026
Christophe Leclercq, Gründer von Euractiv, ab jetzt nur noch eine Erinnerung aus dem Archiv (Foto: Leclercq)

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Nach mehr als 25 Jahren gibt es Euractiv nicht mehr. Das Logo im markanten Gelb hat ausgedient. Das paneuropäische Online-Medium, das in zwölf Sprachen berichtet hat, wurde vor wenigen Tagen vom neuen Eigentümer Mediahuis zum „Rapporteur“ umbenannt. Euractiv ist nicht eingegangen. Es wurde abgewürgt.

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Bisherige Euractiv-Teams mit Schwerpunkt Osteuropa sind nun Partnerredaktionen von diplo.news. Das neue Netzwerk „Focus Europe“ besteht aus ehemaligen Euractiv-Partnern, nämlich:

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POLEN: Focus Europe

Das bisherige Euractiv Polen (gegründet 2009) heißt jetzt Focus Europe.

Chefredakteurin und CEO ist die Europaexpertin Karolina ZBYTNIEWSKA, Lehrbeauftragte an der Universität Warschau

Website: FocusEurope.pl. 

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SLOWAKEI: euBrief

Das bisherige Euractiv Slowakei (gegründet 2003) heißt jetzt euBrief.

Herausgeber: Radovan GEIST

Lehrbeauftragter an der Comenius Universität, Slowakei

Website: https://eubrief.sme.sk

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TSCHECHIEN: Update EU

Das bisherige Euractiv Tschechien (gegründet 2004) heißt jetzt Update EU

Herausgeber: Jan VITASEK

Website: www.update-eu.cz

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BULGARIEN: EU alive

Das bisherige Euractiv Bulgarien heißt jetzt EU alive

Website: eualive.net

Herausgeber: Georgi GOTEV

Mit Sitz in Brüssel und Sofia

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RUMÄNIEN: Espress

Das bisherige Euractiv Rumänien (gegründet 2004) heißt jetzt Espress

Website: espress.ro

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ITALIEN: Focus Europe Italia

Das bisherige Euractiv Italien (gegründet 2011) heißt jetzt Focus Europe Italia

Herausgeber: Prof. Roberto CASTALDI, Assistant Professor an der eCampus University u.a.

Website: www.focuseurope.it

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Zur "gelben Familie" gehörte auch der Think-and-Do-Tank ‚Fondation Euractiv‘: Er wurde zu ‚Europe MédiaLab‘. Dieses wird noch immer von seinem Gründer Christophe Leclercq geleitet, integriert osteuropäische Journalistinnen und Journalisten in Brüssel und unterstützt nun die nächste Welle, nämlich Social Media aus Europa.

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Ewald König, Gründungs-Chefredakteur von Euractv.de, in seiner Begrüßungsrede beim Launch im Haus der Bundespressekonferenz im Jahr 2009

Pionier unter den digitalen Medien

Euractiv wurde 1999, als viele noch nichts mit dem Internet anzufangen wussten, als digitales Medium gegründet. Christophe Leclercq, damals Beamter in der Europäischen Kommission – er war Koordinator für die Informationsgesellschaft in der Generaldirektion Wettbewerb – hatte die Schwächen der EU-Information erkannt und wollte die Lücke füllen. Mit dem neuen Medium in Brüssel wollte er den Lesern europäische Themen näher bringen und europäische Debatten und Entscheidungen, die das Leben der Menschen beeinflussen, erläutern, und zwar nicht in der Brüssel-Sprache. 

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Die Idee dieses Netzwerkes war einzigartig: Viele Artikel aus der Brüsseler Zentrale und den nationalen Landesredaktionen wurden in zwölf Sprachen übersetzt und den Euractiv-Teams der anderen Länder übergeben. Dadurch erfuhren die Leser nicht auf Englisch, sondern in ihrer eigenen Landessprache, was in der EU-Bubble wichtig war.

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Bei der Gründung erklärte Christophe Leclercq: „Wir sind nicht nur ‚Kommissions-Beobachter‘, sondern bringen die politischen Debatten auch auf die nationale Ebene.“ 

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2004 bezog Euractiv sein Hauptquartier im Internationalen Pressezentrum unmittelbar neben dem dominanten Gebäude der EU-Kommission am Berlaymont. Mindestens einmal im Jahr fand dort das Netzwerktreffen aller Euractiv-Chefs der Mitgliedsländer statt. 

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Das Netzwerk entwickelte sich kontinuierlich. In immer mehr europäischen Hauptstädten entstanden Euractiv-Büros. Das Büro in Berlin wurde relativ spät, nämlich 2009, gegründet. 

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Euractiv veranstaltete auch Podiumsdiskussionen, zum Beispiel im Haus der Europäischen Kommission in Berlin mit EU-Kommissar Günther Oettinger (li.), moderiert von Ewald König

In Brüssel stand gleichsam für alle Netzwerkpartner der Schreibtisch, von dem aus die Netzwerkdirektoren die einzelnen Redaktionen unterstützten, ebenso wie die Kollegen aus den Hauptstädten einander unterstützten. 

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Als sich 2015 das US-Medium Politico von Washington nach Brüssel erweiterte, hatte Euractiv eine große Konkurrenz zu fürchten. Doch mit seinem Alleinstellungsmerkmal mit den vielen nationalen Sprachen behauptete sich das gelbe Medium gegenüber dem neuen Herausforderer. 

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Der niederländische Medienkonzern Mediahuis wollte seine Kompetenz in Europapolitik stärken und bekam Appetit. Mediahuis kaufte Euractiv im Jahr 2023. Drei Jahre lang übte sich der neue Eigentümer in Transformation und krempelte alles um. Zuletzt war es nicht mehr wieder zu erkennen.

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Für die Euractiv-Landesredaktionen in den diversen Hauptstädten schien die weitere Existenz gesichert, als die bestehenden Franchiseverträge von der neuen Führung zunächst bestätigt wurden, allerdings mit kurzen Kündigungsfristen. Prompt wurden die Verträge unerwartet schnell gekündigt, offenbar nachdem Mediahuis beschlossen hatte, Euractiv aufzugeben.

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Das wirft Fragen auf. Warum wurde nicht der alte Namen übernommen, der in der europäischen Community Vertrauen genoss? Eine gut eingeführte Marke, die von den neuen Eigentümern anfangs noch selbst aufgebaut und mehr bekannt gemacht wurde? Warum wurde nicht gleich ein eigenes Medium gegründet, sondern musste Euractiv verschwinden?

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Nach Kündigung der Franchiseverträge mit den einzelnen Redaktion stellte Mediahuis das System mit den erfahrenen und lokal bestens vernetzten Landesbüros des einzigartigen Partnernetzwerks auf das übliche System mit Korrespondenten um. Der letzte Schritt war eben die Namensänderung. Das gelbe Euractiv-Logo ist seit einigen Tagen Geschichte. Nun heißt es Rapporteur. Rapporteur bietet seine Artikel nicht wie Euractiv kostenlos an, sondern arbeitet mit einer Bezahlschranke. 

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Hier schreibt ein Journalist, der die ersten fünf Jahre das Deutschland-Büro (2009-2014) als Chefredakteur und Herausgeber geleitet hat. Der damalige Geschäftsführer Joachim Weidemann und ich rekrutierten großartige Redaktionsmitglieder. Wir bezogen Räumlichkeiten im Haus der Bundespressekonferenz im Berliner Regierungsviertel und waren ganz nah am politischen und medialen Geschehen. Wir saßen in derselben Etage, in der auch diplo.news seinen Sitz hat.

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Die Darstellung des neuen Eigentümers Mediahuis, Euractiv habe „mehr aktivistisch als journalistisch“ gearbeitet, weise ich - wie alle anderen Mitglieder des Euractiv-Netzwerks – mit Nachdruck zurück. Journalismus und Aktivismus gehören getrennt, und das haben wir bei Euractiv streng beachtet. Für die ehemaligen Euractiv-Partner lebt das Vermächtnis von Christophe Leclercq weiter. 

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Die oben genannten Länderbüros des früheren Euractiv-Netzwerks standen plötzlich vor der Wahl, entweder aufzugeben oder eigenständig weiterzumachen, wenn auch unter neuem Namen. Alle Teams entschieden sich fürs Weitermachen, sowohl die Redaktionen als auch die Marketing-Kollegen. Sie suchten einen Partner in Deutschland – und fanden ihn in einem außenpolitisch und diplomatisch orientierten Medium, dessen Gründer selbst aus dem alten Euractiv-Netzwerk stammt: diplo.news.

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Ewald König 

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