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Diplomatischer Empfang der besonderen Art: Investition in Kinder des Westbalkans

„ZA Aktiv“ will zum kritischen Denken erziehen / Die Frau des kosovarischen Botschafters stellt neuen Verein vor
January 30, 2026
January 30, 2026
Resmije Kurbogaj-Ajeti, Ehefrau des kosovarischen Botschafters, stellt den von ihr gegründeten Verein "ZA Aktiv" vor (Fotos: ZA Aktiv)

Diesmal stand Resmije Kurbogaj-Ajeti nicht an der Seite ihres Mannes, des Botschafters von Kosovo, sondern selbst im Mittelpunkt. Die Vorsitzende des Vereins „ZA Aktiv“ präsentierte vor Diplomaten und Persönlichkeiten aus Berlin auf einem Empfang die Ziele der neuen Organisation, die sie selbst gegründet hat. Als Politologin, die in Wien und Graz studiert hat, sprach sie in deutscher Sprache von einer Gesellschaft, in der kein Kind zurückgelassen werden sollte.

 

Im Mittelpunkt der Arbeit von ZA Aktiv steht demnach die inklusive Bildung, besonders im Kosovo und den anderen Westbalkanländern. Kinder sollen vom Kindergarten bis zur weiterführenden Schule gleiche Chancen auf Lernen und persönliche Entwicklung haben, unabhängig von ethnischer Herkunft, religiöser Zugehörigkeit und sozialem Status. Geplant sind Mentoring-Programme, Lernunterstützung, Workshops, Austauschprojekte und altersgerechte Bildungsangebote.

 

ZA Aktiv will Kinder und Jugendliche in Jugendforen zur Selbstständigkeit erziehen und ihnen beibringen, ihre Stimme zu erheben und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. „Wer in Kinder investiert, investiert in ihre Fähigkeit, kritisch zu denken, informierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsvoll zum Gemeinwohl beizutragen. Die Bildung junger Menschen ist eine strategische Investition in die Zukunft unserer gesamten Gesellschaft“, sagte die Gründerin.

 

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Engagement für Kinder mit Down-Syndrom sowie für Kinder im Autismus-Spektrum. Mit individuellen Lernmethoden und mit Hilfe von Psychologen, Logopäden und Sonderpädagogen soll die gesellschaftliche Inklusion der Kinder gefördert werden. Darüber hinaus will der Verein praktische Hürden abbauen, etwa durch die Bereitstellung von Büchern, Lernmaterialien, Transportmöglichkeiten und weiteren notwendigen Ressourcen.

 

Auch die Eltern sollen Beratung und stabile Unterstützungsnetzwerke erhalten. Dafür soll die Zusammenarbeit zwischen Kindern, Eltern und Institutionen gestärkt werden. ZA Aktiv sieht sich als Partner von Politik, Bildungseinrichtungen, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen.

 

Die Gründerin der NGO im Gespräch mit diplo.news-Herausgeber Ewald König

Persönliche Angsterfahrungen

Besonders bewegend war der persönliche Teil ihrer Ansprache. Ihre Erfahrungen als Kind, die sie tief geprägt hätten, seien die Motivation zur Gründung des Vereins gewesen. „Ich weiß nur zu gut, was es bedeutet, jeden Tag voller Angst zur Schule zu gehen.“ Im Kosovo geboren und aufgewachsen, erlebte sie Schulbildung unter extrem schwierigen Bedingungen – in improvisierten „Haus-Schulen“, begleitet von Unsicherheit und existenziellen Sorgen. „Ich kann die kalten Nächte in den Bergen nicht vergessen, die Tage, an denen das Essen knapp war oder das Wasser nicht ausreichte.“ Selbst heute könne sie kaum glauben, „wie wir es geschafft haben, jeden Tag mit dieser Angst zu leben, versucht haben, zu überleben und zur Schule zu gehen“. Doch habe sie etwas Außergewöhnliches gelernt: „den Wert einer helfenden Hand, besonders wenn sie von einer unbekannten Person kommt. Das gab mir Mut, Hoffnung und Kraft.“

 

„Bildung ist die wertvollste Investition in die Zukunft!“ Aus dieser Überzeugung heraus sei der Verein entstanden. Die Gäste aus Diplomatie und Berliner Gesellschaft bat sie um „Zusammenarbeit durch Ideen, Kontakte oder finanzielle Beiträge. Man kann nicht die ganze Welt verändern, aber ganz sicher die Welt eines einzelnen Kindes“.

 

Dass ihr zumindest die Unterstützung von drei Herren sicher ist, war im Empfangssaal des Hotel Titanic in der Chausseestraße gewiss: Thorsten Klose-Zuber, Generalsekretär und Geschäftsführer der Organisation HELP, die bereits zahlreiche bedeutende Projekte im Kosovo umgesetzt hat; Gunnar Schellenberger, Landtagspräsident von Sachsen-Anhalt, der zu Kosovo engen Kontakt pflegt, und nicht zuletzt Faruk Ajeti. Ajeti ist Botschafter der Republik Kosovo in Berlin – und ihr Ehemann.

(Nähere Informationen: https://za-ev.org/our-mission/)

 

red