
Der Krieg mit dem Iran, Friedensgespräche mit der Ukraine, Konflikte mit Europa, Kanada, Venezuela, Kuba und China, weltweite Handelszwistigkeiten – die Zahl der Auseinandersetzungen, in die die USA verwickelt sind, ist so groß wie selten und die Notwendigkeit einer funktionierenden Diplomatie eigentlich dringlicher als je zuvor.
Stattdessen schrumpft der professionelle auswärtige Dienst der USA, der vor dem Amtsantritt Donald Trumps Anfang 2025 noch aus etwa 17 000 Mitarbeitern bestand, immer mehr. Rund ein Viertel hat nach Angaben der American Foreign Service Association (AFSA) inzwischen den Dienst quittiert, entweder freiwillig oder durch Entlassung. Das State Department entließ den Angaben zufolge im Mai mehr als 200 Mitarbeiter, während gleichzeitig neue Diplomaten rekrutiert werden. Und rund 16 Monate nach Beginn der zweiten Trump-Amtszeit sind über die Hälfte der Botschafterposten, nämlich 106 von 193, noch immer vakant. Bei dessen demokratischem Vorgänger Joe Biden waren es zum gleichen Zeitpunkt 55 von 188 Posten. Das Außenministerium rief im Dezember 2025 an einem einzigen Tag sogar rund 30 Karrierediplomaten ab, die ihre Botschafterposten schon angetreten hatten.
Kritiker befürchten eine erhebliche Schwächung des diplomatischen Dienstes, weil er vor allem Profis mit Sprachkenntnissen, Erfahrungen in Kriseneinsätzen oder langer institutioneller Expertise verliert. Was zähle, so geht aus einem Bericht der US-Rundfunkanstalt NBC hervor, sei nicht mehr die sachliche Analyse oder unparteiische Empfehlung sondern die unbedingte Loyalität zur Agenda Trumps. In einer Umfrage der AFSA beklagen Diplomaten die zunehmende Politisierung des Dienstes bei Aufstieg und Neueinstellung – wobei es durchaus nicht unüblich ist, dass der Spitzenposten an US-Botschaften - auch unter demokratischen Präsidenten - an Vertrauenspersonen oder Sponsoren vergeben wird.
Zu den noch nicht besetzten Botschafterposten gehört der in Berlin, wo der Jurist und Berufsdiplomat Alan Meltzer seit Sommer 2024 als „chargé d’affaires ad interim“ agiert. Selbst in Konfliktgebieten wie der Ukraine vertritt seit einem Jahr mit der Karrierediplomatin Julie Davis nur eine interimistische Geschäftsträgerin die USA. Sie kündigte vor kurzem den Abschied aus dem diplomatischen Dienst an. In vier Golfstaaten ist der US-Botschafterposten ebenfalls vakant, darunter in Katar und Saudi-Arabien. In Pakistan, das im Irankrieg vermittelt, gibt es ebenfalls nur einen Stellvertreter. Sieben von 51 US-Vertretungen in Afrika sowie am Sitz der Afrikanischen Union werden nur interimistisch geführt. Der Auswärtige Ausschuss des Senats beriet nach eigenen Angaben gerade über neun Nominierungen, darunter für Canberra, Seoul, die Europäische Wiederaufbaubank und die OSZE. Ob dessen Empfehlungen allerdings vom gesamten Senat abgesegnet werden, ist ungewiss.
Berufsdiplomaten, die als Geschäftsträger a.i. fungieren, können zwar den täglichen Betrieb aufrechterhalten, verfügen jedoch oft nicht über den Zugang und den Einfluss von Botschaftern, die vom US-Senat bestätigt wurden und das Vertrauen der Regierung genießen. Professionellen, unparteilichen Rat lehnt Trump oft selbst bei schwierigen Verhandlungen im Ausland ab: Im Ukraine- wie im Irankonflikt setzt er lieber den Immobilienunternehmer Steve Wittkoff und seinen Schwiegersohn Jared Kushner ein. gd