
Die deutsche Verteidigungsindustrie muss sich angesichts „tektonischer Verschiebungen in der Sicherheitspolitik“ nach den Worten von Stefan Thomé, Deutschland-Chef von Airbus Helicopters, komplett wandeln. In der Vergangenheit sei sie oft als zu langsam, zu unflexibel und viel zu teuer kritisiert worden, sagte er beim traditionellen Empfang für die Militärattachés ausländischer Botschaften im International Club des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Kritik sei gehört und aufgenommen worden. „Unsere Antwort ist ein Konzept, dass wir ‚Agilität in großem Maßstab‘ nennen. Moderne Kriegsführung belohnt die Seite, die am schnellsten reagieren kann.“
Wenn in einer Konfliktzone am Wochenende neue elektronische Bedrohungen entdeckt würden, habe man, so Thomé, keine Zeit mehr, einen dreijährigen Update-Zyklus abzuwarten, das Problem müsse innerhalb von Tagen oder Wochen gelöst werden. Airbus sei daher dabei, seine Plattformen auf offene Systemarchitekturen umzustellen. So können heute ausgelieferte Hubschrauber wie die H145M zukünftig schnell an veränderte Gegebenheiten angepasst werden. „Durch digitale Weiterentwicklung statt bloßer mechanischer Überholungen wandeln wir uns von Plattformanbietern zu Anbietern von Ökosystemarchitekturen.“
Als gelungenes Beispiel nannte Thomé den von Airbus aus einem zivilen Fluggerät entwickelten Militärhubschrauber H145M, der unter anderem 2021 bei der großen Evakuierungsaktion in Kabul zum Einsatz kam. Das Gerät sei nicht mehr nur ein leichter Mehrzweckhubschrauber. „In seiner aktuellen Konfiguration, ausgestattet mit dem Waffensystem „H Force“, hat es sich zu einem vielseitigen Alleskönner entwickelt – Pfadfinder, Angriffsplattform und digitaler Knotenpunkt zugleich.“ Eine solche Vielseitigkeit sei heutzutage zentral für Staaten, die mit angespannten Budgets unvorhersehbaren Bedrohungen begegnen müssten. Angesichts der zunehmenden Instabilität der globalen Handelswege und politischer Unwägbarkeiten unterstrich der Unternehmenschef die Relevanz resilienter Lieferketten.
Die deutsche wie internationale Verteidigungsindustrie wird auch an der alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse teilnehmen, die in diesem Jahr vom 10. bis zum 14. Juni in Berlin veranstaltet wird. Sie werde eine Demonstration deutscher Stärke in diesem Bereich sein, betonte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Marie-Christine von Hahn. Bundeskanzler Friedrich Merz werde die Ausstellung unter dem diesjährigen Motto „Wettbewerbsfähigkeit, Technologie, Souveränität“ eröffnen. Auf der traditionsreichen Messe präsentieren sich sowohl zivile wie militärische Unternehmen. Rund 200 Delegationen würden erwartet, darunter aus Australien, Malaysia, Chile, Benin, Brasilien, Spanien, Polen und Großbritannien. gd