Search

diplo.news

News and Views on Foreign Relations and Diplomacy

Umfrage des Lewada-Instituts: Mehr Sympathie der Russen für Washington

Seit Trumps Friedensbemühungen in der Ukraine steigt das Image der USA, das der Europäer bleibt negativ. Nur junge Russen und Youtube-Nutzer sehen das ein wenig anders
February 8, 2026
February 8, 2026
Ein Wahrzeichen von Moskau – die Basiliuskathedrale am Roten Platz im Zentrum der Macht. Die Moskowiter sehen die EU besonders kritisch (Foto: Dometeit)

Das Verhältnis der meisten Russen zur Europäischen Union ist zu Beginn des Jahres 2026 unvermindert schlecht – im Gegensatz zu den Beziehungen zu den USA, die sich seit dem vergangenen Jahr verbessert haben. Dies geht aus einer neuen Umfrage des Lewada-Zentrums, des einzigen regierungsunabhängigen Moskauer Meinungsforschungsinstituts, hervor. Während nur 21 Prozent der Befragten die EU positiv sehen, sind es bei den USA 33 Prozent. Zugleich beurteilen 58 Prozent ihr Verhältnis zu den Europäern negativ, das Verhältnis zu den USA aber nur 45 Prozent. Laut Lewada-Zentrum stiegen die Sympathiewerte für Washington mit den Friedensbemühungen von US-Präsident Donald Trump im vorigen Jahr, während die für Europa in den vergangenen vier Jahren seit Russlands Krieg in der Ukraine gleichbleibend niedrig blieben.

Dabei sind die Gefühle ungleich verteilt. Unter jungen Russen (bis 25 Jahre) sind die USA (50 Prozent) und Europa (35 Prozent) beliebter als bei den Älteren, ebenso bei den Wohlhabenderen (USA: 39 Prozent,Europa: 25 Prozent) und unter denen, die Youtube als Informationsquelle benutzen (USA: 51 Prozent, Europa: 39 Prozent). Nicht verwunderlich ist, dass weder die USA noch die EU bei Putin-Anhängern besonders gut wegkommen, dort überwiegen die schlechten Beurteilungen besonders deutlich die positiven – ebenso wie bei den Bürgern Russlands, die sich vor allem über das Fernsehen informieren. Die Bewohner Moskaus, des Zentrums der politischen und wirtschaftlichen Macht, blicken im übrigen mehrheitlich auf beide Kontinente kritisch: 72 Prozent der Befragten sehen ihre Beziehungen zur EU und 55 Prozent zu den USA als schlecht bis sehr schlecht an.

Chinas Hilfe in der Ukraine zahlt sich aus

Die gleiche Umfrage bestätigt Pekings gutes Image in Russland, das seit 2022 wirtschaftliche und militärische Hilfe aus China bekommt. Laut Lewada befinden sich die Beziehungen schon seit 1995 auf anhaltend hohem Niveau, haben sich aber, seitdem sich die Konfrontation Moskaus mit dem Westen verschärft, noch weiter verbessert. 83 Prozent der russischen Bürger sehen Peking positiv, nur 5 Prozent negativ. Selbst bei denen, die sich aus Youtube oder anderen Internetquellen informieren, ist das grundsätzliche Bild nicht viel anders: Die Zustimmung überwiegt die Ablehnung um ein Vielfaches. Die Nutzung anderer Nachrichtenquellen außerhalb des staatlichen russischen Fernsehens führt auch im Verhältnis zum Kriegsgegner Ukraine nicht zu einer Umkehr der negativen Wahrnehmung, wenngleich etwas abgeschwächt: 55 Prozent der Youtube-User sehen das Nachbarland in einem düsteren Licht, in der Gesamtbevölkerung sind es 64 Prozent.

Die repräsentative Befragung führte das Lewada-Zentrum im Januar unter 1.617 Bürgern in 50 Regionen Russlands durch – in der Regel bei den Befragten zu Hause. Die Organisation, benannt nach dem Soziologen Jurij Lewada, erforscht seit 1988 regelmäßig die öffentliche Meinung in Russland. 2016 erklärte die Regierung das Institut jedoch wegen seiner damaligen internationalen Auftraggeber zum ausländischen Agenten. Die Bereitschaft, an den Umfragen teilzunehmen, sei seit der sogenannten Spezialoperation Russlands gegen die Ukraine vor vier Jahren nicht drastisch zurückgegangen, betont Institutsleiter Denis Wolkow auf der eigenen Webseite. Auch nähmen an den Befragungen nicht nur Regierungsunterstützer teil, wie manche Kritiker unterstellten.

gd