
Preissteigerungen, Lieferengpässe und Materialknappheit gehören zu den Auswirkungen globaler Krisen, die bis ins Supermarktregal reichen. Als der österreichische Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) kürzlich Berlin besuchte, wurde dieser Zusammenhang exemplarisch greifbar. Neben Gesprächen mit seiner deutschen Amtskollegin Katherina Reiche (CDU) stand der Besuch beim österreichischen Verpackungsunternehmen Alpla in Berlin-Marienfelde auf dem Programm – einem global tätigen Branchenführer mit Produktionsstätten in 45 Ländern und mehr als 24.000 Beschäftigten.
Dort traf Hattmannsdorfer auf Georg Pescher, Geschäftsführer von Alpla für Deutschland, Belgien und die Niederlande, sowie Präsident der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK). Das Gespräch zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Wirtschaftslage. „Wir beobachten eine maximale Verteuerung“, so Pescher. Rohstoffe hätten sich im Vergleich zur Vorkrisenzeit mindestens verdoppelt, in einzelnen Fällen seien die Kosten innerhalb weniger Wochen um bis zu 60 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung ziehe sich durch die gesamte Lieferkette – mit unmittelbaren Folgen für Endverbraucher.
„Produkte werden signifikant teurer“
Die Konsequenz: Steigende Preise für Konsumgüter sind unausweichlich. Gleichzeitig geraten Unternehmen durch höhere Vorfinanzierungen unter Druck, was zusätzliche Risiken für die Stabilität der Märkte schafft.„Die Endprodukte werden signifikant teurer, die Kosten werden beim Konsumenten ankommen“, sagt Pescher.
Für Hattmannsdorfer sind diese Entwicklungen ein Weckruf. Internationale Konflikte wie der Krieg im Iran oder geopolitische Spannungen zeigten die Abhängigkeiten Europas. „Wir müssen uns stärker auf Resilienz und Souveränität konzentrieren, besonders in den kritischen Infrastrukturen“, betont der Minister. Bei Verpackungen für Lebensmittel und Getränke sei es eine entscheidende Frage, ob Europa in der Lage sei, die dafür notwendigen Produkte und Vorprodukte auch selbst herstellen zu können.
Für ein exportorientiertes Land wie Österreich sei die Lage besonders sensibel. Rund 60 Prozent der Wirtschaftsleistung hänge am Export, etwa ein Drittel davon geht nach Deutschland. Die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik sei daher „matchentscheidend“ für Österreich und seine enge wirtschaftliche Verflechtung mit Deutschland. Das kleine Österreich investiere rund 40 Milliarden Euro direkt in Deutschland, während das große Deutschland 60 Milliarden Euro in Österreich investiere.
Kritik an EU und Donald Trump
Kritisch äußert sich der Minister gegenüber der Europäischen Union. Die geplante Aufstockung in Brüssel um 2.500 Beamte sei in der aktuellen Lage das falsche Signal. „Wir brauchen weniger Beamte und nicht mehr.“ Deutschland, Österreich und einige andere EU-Mitgliedsstaaten lehnen den Plan ab.
Stattdessen brauche es mehr Tempo beim Abbau von Bürokratie. Überregulierung, etwa im Kunststoffbereich, zum Teil sogar widersprüchlich, gefährde die Wettbewerbsfähigkeit und vertreibe Industriebetriebe aus Europa.
Ein zentrales Thema bleibt der Energiepreis. Dieser sei im internationalen Vergleich ein massiver Standortnachteil. Hattmannsdorfer fordert daher die Europäische Kommission auf, den Ausbau transeuropäischer Energienetze voranzutreiben und die Industrie stärker zu unterstützen. „Sonst verlieren wir im großen Stil. Der Energiepreis ist ein zentraler Wettbewerbsnachteil.“
Auch im globalen Wettbewerb sieht der Minister Europa unter Druck. Während die EU durchschnittlich nur ein Prozent Wachstum verzeichne, liege dieses in den USA dreimal so hoch, in China viermal und in Indien sogar siebenmal höher. Die Wettbewerbsfähigkeit müsse für Europa das oberste Ziel der Politik sein. „Wenn es da nicht ein gravierendes Umdenken gibt, wird Europa in Schönheit sterben.“
Besonders scharf fällt seine Kritik an Donald Trump aus.Dessen Politik habe maßgeblich zu steigenden Preisen und wirtschaftlichen Unsicherheiten beigetragen. „Trump hat uns die Inflation eingebrockt. Der amerikanische Präsident ist dafür verantwortlich, dass bei uns alles teurer wird und wir enorme Herausforderung in der Wettbewerbsfähigkeit und beim Budget haben.“
„Man sieht, was Populisten anrichten“, so Hattmannsdorfer. „Das sollte die Augen öffnen, was passiert, wenn Populisten wie Trump, aber auch seine Freunde in Europa, Verantwortung haben und eine schädliche Politik machen.“ Die Folgen seien auch in Europa spürbar, wie die Verpackungen der Produkte im Supermarkt zeigen.
ekö