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Brücke zwischen dem Saarland und Südkorea

Wie es das kleine Bundesland schafft, in Korea bekannt zu sein
May 22, 2026
May 22, 2026
Ein wichtiges Stück Korea im Saarland: das Korea Institute of Science and Technology Europe (Foto: KIST Europe)

Der Einstieg in den europäischen Binnenmarkt ist für viele südkoreanische Unternehmen eine Herausforderung. Unterschiedliche Geschäftskulturen, komplexe regulatorische Vorgaben und langwierige Verwaltungsprozesse erschweren häufig den Markteintritt. Doch ausgerechnet das kleine Saarland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem wichtigen Brückenkopf für koreanische Unternehmen in Europa entwickelt.

 

Dass das Saarland in Südkorea heute einen bemerkenswertguten Ruf genießt, hat mehrere Gründe: eine gewachsene koreanische Infrastruktur vor Ort, kurze Entscheidungswege, langjährige Kontakte – und vor allem das Korea Institute of Science and Technology Europe (KIST Europe) in Saarbrücken. Es handelt sich um die einzige Niederlassung des koreanischen Forschungsinstituts außerhalb Südkoreas. Das Institut wurde 1996 durch einen deutsch-koreanischen Staatsvertrag gegründet und arbeitet eng mit der Universität des Saarlandes zusammen.

 

Diese besondere Verbindung nutzt die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar (gwSaar) gezielt für ihre internationale Standortpolitik. Unter der Marke „Germany’s Saarland“ warb die gwSaar vor kurzem auf der „Korea International Medical & Hospital Equipment Show“ (KIMES) in Seoul für den Wirtschaftsstandort Saarland. Die KIMES gilt mit rund 1.500 Ausstellern aus 39 Ländern als eine der bedeutendsten Medizinmessen Asiens.

 

Im Mittelpunkt des Messeauftritts standen die Bereiche LifeSciences, Medizintechnik und Pharmazie. Ziel war es, asiatische Unternehmen für eine Ansiedlung im Saarland zu gewinnen und bestehende Wirtschaftsbeziehungen weiter auszubauen.

 

„Das ist eine Messe, die mit ihren Schwerpunkten im pharmazeutischen Bereich, bei Medical Devices und Kosmetik enorm bedeutend ist“, erklärt Anja Petschauer, Director of International Relations der gwSaar, im Gespräch mit diplo.news. Besonders der koreanische Kosmetikmarkt sei für europäische Investoren hochinteressant: „Korea verfügt mittlerweile über einen der größten Kosmetikmärkte der Welt.“

 

 

Einzigartige Infrastruktur für koreanische Unternehmen

 

Eine Schlüsselrolle spielt dabei der sogenannte „InSaar EUHub“, ein gemeinsames Programm von gwSaar und KIST Europe. Laut Petschauer soll dies koreanischen Unternehmen den Einstieg in den europäischen Markt erleichtern – von der Suche nach Büro- und Forschungsflächen über administrative Unterstützung bis hin zum Aufbau von Netzwerken.

 

„Wir haben mit dem InSaar EU Hub ein gemeinsames Programm aufgesetzt, das einzigartig ist“, sagt Petschauer. „Als deutsche Wirtschaftsförderung unterstützen wir mit unserer Kompetenz und mit der koreanischen Infrastruktur vor Ort Unternehmen, die sich in den EU-Markt begeben wollen.“

 

Tatsächlich haben sich bereits mehrere koreanische Unternehmen und Institutionen im Saarland angesiedelt. Auch die Beziehungen zur südkoreanischen Provinz Gangwon wurden in den vergangenen Jahren intensiviert. 2025 unterzeichneten beide Regionen ein Freundschafts- und Kooperationsabkommen. Hinzu kommen zahlreiche wissenschaftliche Kooperationen sowie Austauschprogramme für Studenten und Forscher.

 

 

Saarland als europäischer Zugangspunkt

 

Wie wichtig die Brückenfunktion des Saarlandes inzwischen geworden ist, zeigt auch die Arbeit der saarländischen Unternehmen vor Ort. Auf der KIMES präsentierte sich unter anderem die MT Promedt Consulting GmbH aus dem Saarland, die internationale Medizinproduktehersteller bei Zulassungsverfahren in Europa unterstützt.

 

Das Unternehmen betreut nach eigenen Angaben rund 50 bis 60 koreanische Hersteller – insbesondere im Bereich der In-vitro-Diagnostik. Geschäftsführer und Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten regelmäßig in Korea präsent.

 

„Für viele nicht-europäische Hersteller ist die europäische Medizinprodukte-Regulierung extrem komplex“, erklärt ein Vertreter des Unternehmens. „Wir helfen bei der technischen Dokumentation, bei Qualitätsmanagementsystemen und übernehmen als autorisierte Repräsentanten die Schnittstelle zu europäischen Behörden.“

 

Gerade die europäische Regulierung sorgt dabei immer wiederfür Frustration. Verfahren dauerten oft Jahre, Zertifizierungsstellen seien knapp, und die europäische Gesetzgebung gelte vielen Unternehmen als schwerfällig.

 

„Die Hersteller verstehen häufig nicht, warum alles so lange dauert“, heißt es aus dem Unternehmen. „Teilweise reden wir über Verfahren, die seit mehr als zehn Jahren diskutiert werden und noch immer nicht vollständig umgesetzt sind.“

 

 

Forschung, Wirtschaft und Vertrauen

 

Trotz aller Unterschiede sehen beide Seiten großes Potenzial in der Zusammenarbeit. Das Saarland profitiert von koreanischen Investitionen und wissenschaftlichen Kooperationen, während koreanische Unternehmen im Saarland einen erfahrenen und vergleichsweise unkomplizierten Zugang zum europäischen Markt finden.

 

Die Kombination aus Forschung, Wirtschaftsförderung und kultureller Erfahrung macht das kleine Bundesland damit zu einem ungewöhnlich wichtigen Partner für Südkorea in Europa. Petschauer: „Wir haben im Saarland inzwischen mehr Erfahrung mit Korea als viele andere Regionen. Das hilft beiden Seiten – wirtschaftlich und kulturell.“

 

ekö