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Strategische Allianz statt Zweckfreundschaft

Kenia will mehr private Investitionen aus Deutschland. Für Juni sind ein deutsch-kenianischer Wirtschaftstag und Regierungsverhandlungen in Berlin geplant
May 19, 2026
May 19, 2026
Klimawandel: Kenia ist wie hier in der Region Kajiado südlich der Hauptstadt Nairobi immer häufiger von Dürreperioden, heftigen Ernteausfällen und Viehsterben betroffen. Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung sind daher auch ein Thema der Zusammenarbeit mit Deutschland. (Foto picture alliance/Anadolu/Gerald Anderson)

Deutschland bemüht sich um die Vertiefung seiner außenpolitischen und ökonomischen Beziehungen zu Afrika, und dabei spielt Kenia als politisch stabilstes Land im Osten des Kontinents eine besondere Rolle. Außenminister Johann Wadephul (CDU) reiste Anfang des Jahres mit einer Wirtschaftsdelegation zu seiner ersten Afrikareise unter anderem nach Nairobi, das auch Sitz und Veranstaltungsort internationaler Organisationen ist. Deutschland war im übrigen das erste Land, das Kenia 1963 diplomatisch anerkannte. Zur Zeit hält sich eine Delegation aus Mitgliedern des kenianischen Parlaments und des Außenministeriums zu Gesprächen mit verschiedenen Ministerien in Berlin auf. Sie reist am morgigen Mittwoch weiter nach Prag zum Globsec Forum, einer der größten Konferenzen weltweit zu internationaler Sicherheit und Politik.

 

„Deutschland und Kenia betreiben keine Zweckfreundschaft, sondern eine strategische Allianz auf der Basis gemeinsamer Werte und Überzeugungen“, betonte Kenias Botschafterin in Deutschland, Stella Orina, am Montag abend bei einer Veranstaltung der Deutschen Afrika Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Afrika ändere sich, die Beziehungen auch zu Deutschland seien nicht länger nur durch Entwicklungsthemen geprägt, sondern auch von gemeinsamer Verantwortung und dem Interesse an der Stärkung multilateraler Institutionen.

 

Kenias Botschaterin Stella Orina (v.l.), Judy Njau, Abteilungsleiterin im kenianischen Außenministerium, Gesa Bräutigam, Beauftragte für Subsahara-Afrika und Sahel im Auswärtigen Amt und Fred Ikana, Mitglied des Ausschusses für Auswärtiges und Verteidigung im kenianischen Parlament diskutieren im Bistro des Reichstages über zukünftige Allianzen (Foto: Dometeit)

Kenia lasse sich von vier Prinzipien in den internationalen Beziehungen leiten, erklärte Judy Njau, Abteilungsleiterin für Europa und den Commonwealth im Außenministerium von Nairobi: ein faires Finanzsystem nicht nur für das eigene Land sondern für den gesamten globalen Süden, Klimagerechtigkeit, eine regelbasierte Zusammenarbeit und Partnerschaften,  die beiden Seiten zugute kämen. Andere Mitglieder der Delegation stellten die Bedeutung der Afrikanischen Freihandelszone und einen fairen Anteil afrikanischer Staaten am globalen Handel heraus und warben um deutsche Investitionen in Kenia, zum Beispiel zur Ankurbelung der Nahrungsmittel-Produktion. Kenia und seine rund 59 Millionen Einwohner leiden zunehmend unter Dürreperioden und damit verbundenen Ernteausfällen. Zudem gelten die Versorgungsketten als ineffizient.

 

Am 24. Juni werden sich Unternehmen und Politiker aus beiden Ländern zum deutsch-kenianischen Wirtschaftstag in Berlin treffen, um konkrete Kooperations-und Investitionsmöglichkeiten in den Bereichen Landwirtschaft, Digitalisierung, erneuerbare Energien und Arbeitskräftemobilität auszuloten. Der Handelsumfang zwischen beiden Ländern beträgt gerade mal 450 Millionen Euro (von insges. 63 Milliarden Euro in ganz Afrika), 120 deutsche Unternehmen sind in Kenia vertreten.

Die Ergebnisse des Wirtschaftstages sollen direkt in anschließend stattfindende deutsch-kenianische Regierungsverhandlungen einfließen. Der Wirtschaftstag wird gemeinsam von den Ministerien für Wirtschaft und Energie sowie für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung organisiert – entsprechend dem neuen Kurs der Bundesregierung, in der Entwicklungspolitik mehr auf private Investitionen statt auf klassische Hilfe zu setzen.

Nicht nur Deutschland ist am Ausbau der Beziehungen zu Afrika und Kenia interessiert: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte vor wenigen Tagen erstmals in Nairobi einen Afrika Forward-Gipfel einberufen und war mit einer großen Wirtschaftsdelegation angereist. Beide Länder unterzeichneten elf Abkommen, unter anderem zur Modernisierung des Schienennetzes und zum Ausbau des Hafens in Mombasa. Macron wollte mit der Reise das zunehmende politische und wirtschaftliche Interesse seines Landes am englischsprachigen Teil Afrikas demonstrieren. Dieser gilt als wirtschaftlich dynamischer als die ehemaligen französischsprachigen Kolonien.

gd