
Das „China Inn Festival“ zählt seit vielen Jahren zu den wichtigsten deutsch-chinesischen Jugendmusikfestivals. Erstmals fand es in Berlin statt. In der Kommunikation beider Seiten gibt es neuerdings einen Durchbruch: Die Kinder und Jugendlichen verständigen sich nicht mehr nur mit der Sprache der Musik, sondern bedienen sich der Künstlichen Intelligenz für schriftliche und mündliche Übersetzungen in ihren Berliner Gastfamilien.
„Die chinesischen Kinder können auf Englisch leider nicht viel mehr sagen als ‚Good morning!‘“, erzählt der Vater einer jungen Berliner Querflötistin. Die Familie hatte zwei chinesische Chor- und Orchestermitglieder beherbergt. Mit etwas Geduld und vielen KI-Übersetzungen war die Kommunikation viel leichter als bei früheren Schüleraustauschen.

Beim Abschlusskonzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz in Berlin war indes keine KI nötig. Die Musik hat sich als Kommunikationsmittel bewährt. Sechzig Kinder aus der Kangcheng-Schule in Shanghai besuchten Berlin und traten zusammen mit Schülern der Freien Jugendorchesterschule Berlin vor begeistertem Publikum auf. Sie hatten die traditionellen Instrumente wie Guzheng, Papa, Ryan, Sound, Shang, Ehre, Liuqin und Yangqin mitgebracht; Instrumente, die in Berlin wenig bekannt sind. Nur die Diplomaten der chinesischen Botschaft, die als Zuhörer in der Gedächtniskirche dabei waren, dürften sie gekannt haben.
Berlin bot erstmals die Bühne. Bisher fand das China Inn Festival elf Mal in Hamburg statt. Initiator ist die Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung (GDCV), die damit eine Art zivilgesellschaftliche Diplomatie betreibt. Erfahrungsgemäß halten die Kontakte unter den deutschen und chinesischen Kindern auch viele Jahre nach den gemeinsamen Konzertproben und Aufführungen an.
Wie sehr sich Musik als Mittel der Diplomatie und Völkerverständigung viel besser eignet als der Sport, erläutert Martina Feldmann, Gründerin und Leiterin der Freien Jugendorchesterschule Berlin: „Im Sport muss sich jeder gegen den anderen durchsetzen, da gibt es nur Konkurrenz. In der Musik ist es immer ein Miteinander. Jeder trägt seinen Teil bei. Da gibt es keine Konkurrenz.“
ekö