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Kurdistan sucht deutsche Investoren: „Sie sollten so bald wie möglich kommen“

Irak ist einer der größten Erdölproduzenten der Welt. Kurdistan will unabhängiger werden und sucht deutsche Partner. Die kurdische Handelskammer besuchte Berlin.
October 29, 2026
October 29, 2026
Was sich Kurdistan von Deutschland wünscht, ist im Gastgeschenk plakativ dargestellt, das der Delegationsführer Gailan Haji Saeed (li.) dem Numov-Vorsitzenden Philippe Steiner überreicht (Foto: Ewald König)

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Die irakische Volkswirtschaft lebt derzeit fast vollständig vom Erdölgeschäft und ist von den Weltmarktpreisen für Erdöl und Erdgas extrem abhängig. Kurdistan sucht eigene neue Wege und strebt Partnerschaften mit Deutschland an.

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Die kurdische Handelskammer (KFCCI) reiste mit einer vierzigköpfigen Delegation aus Unternehmern und Funktionären nach Deutschland. In einer ganztägigen Veranstaltung des Nah- und Mittelost-Vereins Numov suchte sie engere wirtschaftliche Verbindung zu Deutschland und lud Unternehmer nach Kurdistan ein.

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Deutsche Unternehmer sollten die Region nicht nur aus den Fernsehnachrichten kennen, sondern sich persönlich vom sicheren Umfeld überzeugen können. Wenn man bei den Nachrichten nur an Krieg und andere Probleme denke, sei die Situation recht schwierig zu erklären. Erst wenn man die Region besuche, bekomme man ein klares Bild und das Image werde sich um 180 Grad ändern. „Wir raten Ihnen sogar, uns so bald wie möglich zu besuchen. Besonders die Deutschen müssen ihre eigenen Erfahrungen machen, indem sie zu uns reisen. Wir haben großes Vertrauen in die deutsche Wirtschaft.“

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Die vor zehn Jahren gegründete Fluggesellschaft FlyErbil überrascht dabei mit ihren zahlreichen direkten Flugverbindungen von Deutschland nach Erbil: Von Düsseldorf täglich, von Berlin jeden Montag, von Stuttgart jeden Samstag und Mittwoch, von Hannover jeden Sonntag, Montag und Mittwoch, von Frankfurt jeden Sonntag, von München jeden Donnerstag und von Köln jeden Montag und Mittwoch.

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Im Regelwerk gebe es Unterschiede zu den Gesetzen der Zentralregierung in Bagdad. Gemäß Zentralregierung könnten Firmengründer nur 49 Prozent selbst halten und müssten 51 Prozent der Gesellschaftsanteile lokale Gesellschafter ins Boot holen. In Kurdistan jedoch könnten Investoren ihre Anteile zu 100 Prozent halten. „Natürlich läuft das unter dem Schirm der irakischen Gesetze, aber unsere Bedingungen sind besser und wir sind flexibler.“

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Das Ziel der Delegation ist es, viele langfristige Partnerschaften zwischen Deutschland und Kurdistan aufzubauen und neue Märkte zu erschließen. Der Besuch bei Numov brachte zahlreiche Branchen zusammen, von Käse bis Küchenbau, von Medizinprodukten bis Stahl, von Feuerlöscher bis Kompressoren. Der Austausch, moderiert vom Numov-Vorsitzenden Philippe Steiner, diente dazu, konkrete Kooperationsfelder ausfindig zu machen und direkte Geschäftskontakte zu knüpfen.

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Marcus Knupp von German Trade and Invest (GTAI) berichtete, dass der Krieg im Golf die Wirtschaftsentwicklung Iraks verlangsame. In Zahlen: 2024 habe das Wachstum minus 1,5 Prozent betragen, 2025 minus 2,2 und im laufenden Jahr minus 14,2 Prozent. Die Zukunft soll es aufgeholt werden: 2027 soll das Wirtschaftswachstum plus 16,5 Prozent betragen, 2028 plus 4,7 und 2029 plus 3,2 Prozent.  

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Die Exporte aus Kurdistan bestehen fast ausschließlich aus Öl und Gas. Ein winziger Anteil (0,2 Prozent) besteht aus Speiseöl, Früchten und Nüssen.

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Die meisten Exporte gehen nach Asien (73 Prozent), gefolgt von Europa (13,6 Prozent) und den arabischen Ländern (7,4 Prozent).

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Die Importe aus Deutschland umfassen Maschinen, technische Ausrüstung und Fahrzeuge. Sie sind aber noch sehr ausbaufähig: Sie machen nur 2 Prozent der kurdischen Importe aus. Der Großteil wird aus China bezogen, mit großem Abstand folgen die Vereinigten Arabischen Emirate und der Iran.

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Die aktuell wichtigsten Investitionsprojekte sind neue Pipelines für alternative Exportrouten von Öl und Gas; ferner der Ausbau der vier Häfen Khor al-Zubair, Unm Qasr, Al Faw und Basra und schließlich die Modernisierung des Eisenbahnsystems. Hinzu kommen Projekte in der Landwirtschaft, Logistik, Nahrungsmittelindustrie und im Tourismus.

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Igor Sufraga von der Euler Hermes AG erläuterte die Möglichkeiten der Exportkreditgarantien am Beispiel eines Solar Parks in Ägypten. Mit einer Investitionssumme von 76 Millionen Euro.

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Die kurdische Delegation machte auf ihrer Europa-Reise auch Station in Italien und den Niederlanden, betonte in Berlin aber: „Deutschland liegt uns besonders nahe. Für uns ist Deutschland das Herz von Europa.“

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Irak sei generell ein Land voller Möglichkeiten. „Doch die Region Kurdistan bietet besonders vielversprechende Chancen für deutsche Unternehmen“, fassen die Veranstalter von Numov zusammen. Die irakische Botschaft war durch den Geschäftsträger Ali Galaly repräsentiert, die kurdische Handelskammer durch ihren Präsidenten Nawzad Ghafour.

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Deutschland war einer der wichtigsten Verbündeten der Region Kurdistan im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) und unterhält enge Kontakte zur kurdischen Regionalregierung.  2009 eröffnete Deutschland ein Generalkonsulat in Erbil als diplomatische Vertretung. Außerdem befinden sich in Erbil ein Goethe Institut, ein Informationszentrum des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), eine Deutsche Schule und eine Vertretung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die Zahl der in Deutschland lebenden Kurden wird auf eine halbe bis eine Million geschätzt.

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ekö