Einerseits melden sich viele ausländischen Studenten und Wissenschaftler, die sonst in den USA studieren oder arbeiten würden, in deutschen Institutionenan. Andererseits betreffen die Repressionen auch deutsche Wissenschaftler in den USA. Eine bevorstehende Tagung des German Academic International Network (GAIN) in Boston befasst sich in drei Tage lang mit der aktuellen Situation.
„Wir verfolgen diese Entwicklung mit Entsetzen“, meint die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Katja Becker, in einer Erklärung im Vorfeld der Tagung. „Wir sind erschüttert, in welchem Ausmaß die Wissenschaftsfreiheit und die akademische Unabhängigkeit in dem Land, das bislang als Goldstandard für freies Denken und wissenschaftliche Exzellenz galt, beschnitten werden.“
Die DFG-Chefin weist darauf hin, dass seit Jahresbeginn die Wissenschaft in den USA immer neuen Repressionen ausgesetzt sei, und betont, wie Institutionen geschlossen, Projekte abgebrochen, Datensätze beschädigt werden, zahllose Wissenschaftler ihre Anstellung und ausländische Forscher und Studierenten ihren Aufenthaltstitel verlieren.
Der Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Joybrato Mukherjee, sagt: „Heute ist Deutschland mit rund 75.000 Forschenden an Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen nach den USA das zweitwichtigste Gastland für internationale Wissenschaftler.“ Wegen der aktuellen Herausforderungen amerikanischer Hochschulen und Forschungseinrichtungen sei es gerade jetzt wichtig, „unsere Partner in den USA zu unterstützen, unsere Solidarität zu zeigen und die deutsch-amerikanischen Hochschulkooperationen zu erhalten“.
Auch der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Robert Schlögl, warnt: „Wir erleben seit einigen Jahren weltweit starke Tendenzen der Renationalisierung.“ Es sei ein Trugschluss zu glauben, man könne Bedarfe einzelner Nationen allein innerhalb eigener Grenzen lösen. Fortschritt entstehe durch Austausch und die Vielfalt der Perspektiven. „Wer den globalen Austausch in der Wissenschaft erschwert, wer die Freiheit der Wissenschaft durch nationale Regulierungen und Gängelung einschränkt, gefährdet nicht nur die Demokratie, sondern den Wohlstand und die Zukunftsfähigkeit der Menschheit.“
Die GAIN‑Tagung in Boston findet von 29. bis 31. August statt. Im Fokus stehen die internationalen Wissenschaftskarrieren zwischen Deutschland und den USA. Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft diskutieren die Konsequenzen aus dem erheblichen Druck, unter dem die Wissenschaft in den USA unter Präsident Donald Trump steht.
ekö