
Die Internationale Grüne Woche in Berlin ist hundert Jahre alt. Das Handelsabkommen Mercosur drückt der Veranstaltung den Stempel auf. Österreich will weiter kritisch gegenüber Mercosur sein und genau kontrollieren, ob die Schutzmechanismen eingehalten werden. Das kündigte Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) zum Auftakt der Messe an und forderte mit Nachdruck die EU-weit verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Landwirtschaftsprodukten.
Eröffnet wurde die Grüne Woche diesen Freitag durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Messe sei ein Ort der Debatte, an dem die wichtigen Zukunftsfragen verhandelt werden. Sie trage seit ihrer Gründung vor hundert Jahren zur Annäherung von Stadt und Land bei. Mit dem Abbau von Bürokratie sollten landwirtschaftliche Berufe attraktiv bleiben. Auch wenn er die Besorgnisse verstehe, sei er überzeugt von neuen Allianzen wie dem Mercosur-Abkommen.
„Harter Kern des Widerstands“
Einige Europäer sehen das anders. „Beim Thema Mercosur haben wir uns gewehrt, wir waren der harte Kern des Widerstands“, sagte Landwirtschaftsminister Totschnig aus Wien. Er vermittelte den Eindruck, als habe sein Land weiterhin ein Problem damit. Dass die EU einige Schutzmechanismen eingezogen habe, sei auf Druck Österreichs erfolgt, gemeinsam mit Ländern wie Irland, Polen, Frankreich und Italien.
Der Minister fordert beispielsweise Waffengleichheit beim Pflanzenschutz und kündigte verschärfte Kontrollen an. „“Wir werden genau hinschauen, um die eigenen Produkte zu schützen.“
Das neue Handelsabkommen erhöhe den Konkurrenzdruck durch agrarische Billigproduzenten und schlechtere Produktionsstandards. Daher fordere er die verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der gesamten EU: „Wir sind ein Qualitätsproduzent von hochwertigen Lebensmitteln. Wenn südamerikanische Ware mit österreichischen Qualitätsprodukten konkurriert, müssen die Konsumenten auf einen Blick erkennen, woher ein Produkt stammt“, betonte Totschnig. Man müsse sich im Regal bewusst für ein österreichisches Produkt entscheiden können. Herkunftskennzeichnung sei kein Detail, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor.
Versorgungssicherheit als geopolitische Sicherheit
Totschnig bezog sich außerdem auf die geopolitischen Turbulenzen: „Versorgungssicherheit ist Sicherheit und muss gerade in diesen weltpolitisch turbulenten Zeiten eine wesentliche Rolle bei der strategischen Ausrichtung der EU einnehmen.“ Das Jahr 2026 sei ein Jahr der Weichenstellungen, wie die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) gestaltet wird, aber auch der Chancen für die europäische Landwirtschaft, deren Bauern infolge sinkender Erzeugerpreise und wachsender Bürokratie unter massivem Druck stünden.

Für Deutsche ist der Preis wichtiger als Qualität
Die Grüne Woche feiert ihr hundertjähriges Bestehen. Deutschland und Berlin seien als Schlüsselmarkt extrem wichtig für Österreich, nicht nur wegen der geografischen Nähe, der Sprache und der Kaufkraft. „Der deutsche Gast liebt Österreich“, so Christina Mutenthaler, Geschäftsführerin der Agrarmarkt Austria Marketing (AMA), in einer Veranstaltung in der österreichischen Botschaft am Vorabend der Messe, „und schätzt bei uns die Natur, das Landschaftsbild und die Kulinarik. Hinter allen drei stehen die Bauern. Genau das wollen wir stärker vermarkten.“
Mutenthaler verwies auf den großen Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern: „In Deutschland schlägt der Preis alles. In Österreich stehen Qualität, Frische und Herkunft vorne, erst später der Preis.“
Auf seinem Rundgang durch die Messehallen sagte der deutsche Agrarminister Alois Rainer, Deutschland dürfe sich nicht kaputt reden lassen, zugleich müsse man aber Bürokratie abbauen und der Landwirtschaft mehr Freiräume gewähren.
ekö