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Außenminister Wadephul zu Grönland: „Nicht mit überflüssigen neuen Themen belasten“

Europa sollte sich auf andere Schauplätze konzentrieren / Wadephul antwortet auf Frage von diplo.news
January 19, 2026
January 19, 2026

 

Als sich Außenminister Johann Wadephul (links am Pult) mit seiner österreichischen Kollegin der Presse stellte, ging es nicht so sehr um Österreich, sondern eher um die Konfliktzonen der Welt (Foto: BMEIA/Gruber)

In der Liste der aktuell dringendsten Sicherheitsprobleme der Welt sieht Außenminister Johann Wadephul (CDU) andere Prioritäten als das Grönland-Thema. Am Rande des Berlin-Besuches seiner österreichischen Amtskollegin Beate Meinl-Reisinger am vergangenen Freitagnachmittag antwortete der Minister auf die Frage von diplo.news, wie weit die Unterstützung Europas und speziell Deutschlands zugunsten Grönlands gehen würde. Er sehe nach wie vor keinen Anhaltspunkt dafür, dass es einen derartigen Völkerrechtsbruch geben könnte.

 

Er listete eine Reihe von Konfliktherden auf, auf die man sich besser konzentrieren solle. „Ich bin in meiner Beurteilung der internationalen Lage der Auffassung, dass es dringendere Probleme für unsere Sicherheit und für den Frieden auf der Welt gibt. Zuallererst ist das nach vor der fortwährende Krieg Russlands gegen die Ukraine.“

 

Der nächste Konflikt betreffe die Gaza-Konflikte, gefolgt von der fortdauernden humanitären Katastrophe im Sudan, begleitet von einem ständigen Bürgerkrieg.

Das sei wahrscheinlich die größte humanitäre Katastrophe, mit der die Menschheit derzeit konfrontiert sei. „Und darüber hinaus und letztendlich ist es die Situation im Iran, die einen nur erschaudern lassen kann, was dieses Regime an Untaten gegenüber der eigenen Bevölkerung verbricht.“

 

„Wenn ich mir diese Schauplätze angucke, kann ich uns in unserem Bündnis als Europäer nur raten, uns auf diese Dinge zu konzentrieren. Es gibt genug Probleme, bei denen wir die allergrößte Mühe haben, ihrer Herr zu werden und die schrecklichen Auswirkungen auf die Menschen einzudämmen und uns nicht mit überflüssigen neuen Themen zu belasten“, sagte der Außenminister.

 

Fragen über die Mission, die die deutsche Bundeswehr auf Grönland ausführt, wollte Wadephul nicht beantworten. Solche Fachfragen müsse klassischerweise der Verteidigungsminminister und nicht der Außenminister beantworten. Er wolle sich nicht einmischen.

 

„Dass wir in der aktischen Region neue Sicherheitsrisiken haben, ist unstreitig“, sagte Wadephul. „Ganz grundsätzlich aber geht es um das Signalisieren der Bereitschaft, dass wir gemeinsam mit anderen in der Lage wären, ganz konkret Verantwortung für die Sicherheit des arktischen Raums zu zeigen.“ Die Entsendung der kleinen Erkundungsmission nach Grünland zeige, dass „wir in der Tat bereit sind, sicherheitspolitische Verantwortung dieser Richtung zu übernehmen.“

Wadephul hob „das gemeinschaftliche Verständnis“ hervor. "Weder die USA noch Grönland noch Dänemark allein, sondern wir als Bündnis in seiner Gesamtheit könnten genau die Gefahren abwehren, denen man gemeinsam ausgesetzt ist."

 

Es könne nicht oft genug gesagt werden: „Was mit Grönland geschieht, entscheiden die Grönländer.“ Das sei eine Frage der territorialen Souveränität. „Und was die Grönländer entscheiden, haben sie ja bereits klar gesagt.“

 

ekö