
Der neue kosovarische Außenminister Glauk Konjufca hat die Mitgliedschaft in Nato und Europäischer Union als den einzig möglichen Weg für die junge Republik beschrieben. Bei einem Empfang der Botschaft im Roten Rathaus von Berlin betonte Konjufca, dass die euroatlantische Orientierung nicht nur gesellschaftlicher Konsens sei sondern der logische Höhepunkt der politischen und ökonomischen Reformpolitik des Landes. Der 49-jährige vorherige Parlamentspräsident ist erst vor wenigen Tagen zum Außenminister und Vize-Ministerpräsidenten der neuen Regierung unter Albin Kurti ernannt worden. Wie Kurti gehört er seit deren Gründung der linken Partei Levizja Vetevendosje an, die 2004 als Bürgerrechtsbewegung entstand.
Konjufca hob ebenso wie Botschafter Faruk Ajeti die besondere Rolle Deutschlands für die Geschichte des Kosovo hervor. "Deutschland ist nicht nur ein enger Freund, sondern auch ein traditioneller Partner und historischer Alliierter", so Konjufca. Schon in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts habe es als einziges Land der kosovarischen Exilregierung eine Heimstatt gegeben. Deutschland sei zudem unter den ersten Staaten gewesen, die die von Serbien abgespaltene albanischsprachige Republik als unabhängig anerkannt habe. Der erste Besuch des Politikers nach seiner Ernennung führte ihn dementsprechend nach München, zunächst zur Sicherheitskonferenz, und dann weiter nach Berlin.
Deutschland sei auch der wichtigste Handelspartner für den Kosovo und mit 750 Firmen größter Investor. Mit sechs Konsulaten unterhalte sein Land hier die größte diplomatische Vertretung weltweit. Rund eine halbe Million Kosovaren leben in Deutschland, es ist die größte Diaspora des 1,6-Millionen Einwohner-Landes in Europa. Die Kombination von günstigem Geschäftsklima, einer geografisch zentralen Lage und der jüngsten Bevölkerung Europas biete eine Menge Möglichkeiten für deutsche Unternehmen. Die Wirtschaft wuchs demnach in den vergangenen beiden Jahren im Schnitt um fünf Prozent. Botschafter Ajeti rühmte im vollbesetzten Festsaal des Rathauses den Kosovo als "wahre Schatzkammer großer Musik" und dessen Kultur als "unverzichtbaren Teil der europäischen Kultur".
Konjufca verurteilte zugleich die russische Aggression gegenüber der Ukraine. In einem solchen Konflikt könne man nicht neutral bleiben. "Wir stehen zusammen mit Deutschland und anderen westlichen Demokratien auf der richtigen Seite der Geschichte. Wir stehen auf der Seite der Freiheit." Die deutsche Wiedervereinigung sei nicht nur ein historisches Ereignis für die Deutschen gewesen sondern auch ein Symbol der Hoffnung für den Kosovo und andere Länder, dass man eines Tages mit der europäischen Familie vereint sei.
Die Republik Kosovo, zunächst eine autonome Region im einstigen sozialistischen Jugoslawien, erklärte sich 2008 für unabhängig, wird aber bis heute von einigen EU-Staaten, darunter Griechenland und Spanien, nicht anerkannt, ebensowenig wie von Serbien, welches den Kosovo als Teil des eigenen Staatsgebiets betrachtet. 1999 griffen Nato-Truppen unter Führung der USA in den Kosovokrieg zwischen serbischen paramilitärischen Kräften und der kosovo-albanischen Befreiungsarmee UÇK ein, angeblich weil eine Säuberung der albanischsprachigen, überwiegend muslimischen Kosovaren bevorstand. Immer wieder gibt es im Norden des Kosovo seitdem Spannungen um die serbische Minderheit.
gd