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News and Views on Foreign Relations and Diplomacy

Wo Europas Wirtschaft mehr Sicherheit sucht und findet

Partnerschaft mit Südkorea als Antwort auf Schocks aus China und den USA / Konferenz in Berlin 
January 11, 2026
January 11, 2026
Batterien: China dominiert weltweit die gesamte Wertschöpfungskette. Welche Optionen hat Europa?

Europas Wirtschaft erlebt immer mehr Schockmomente aus China und den USA. Mit wirtschaftspolitischen Sicherheitsmaßnahmen versucht die Europäische Union, den ökonomischen Druck der USA und Chinas auszugleichen und den Handel zu verteidigen. Deshalb will die EU mit Südkorea enger kooperieren und sich besser abstimmen. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits braucht die EU vertrauenswürdige strategische Partner, andererseits fürchtet Südkorea, es könnte von Maßnahmen gegen China betroffen sein.

Das waren vor kurzem die Themen einer Konferenz in der südkoreanischen Botschaft in Berlin, in der es um Strategien ging, wie Brüssel, Berlin und Seoul auf die aktuellen Herausforderungen reagieren sollten und die wirtschaftliche Sicherheit wirksamer gestalten können.

Südkoreas Botschafter Sang-beom Lim führte ins Thema ein, gefolgt von Entscheidungsträgern und Experten wie Andreas Nicolin vom Bundeswirtschaftsministerium; Juneyoung Lee von der Welthandelsorganisation (WTO); Nils Redeker vom Jacques Delors Centre der Hertie School; Andrew Small vom European Council on Foreign Relations (ECFR); Sanho Lim vom Center for Economic Security & Foreign Affairs im Außenministerium der Republik Korea; Kerstin Meyer vom Think Tank Agora Verkehrswende sowie Alexander Lipke, Programmkoordinator des Asien-Programms im ECFR.

Sang-beom Lim, Südkoreas Botschafter in Deutschland (Foto: Miran Kwak)

Weniger verwundbar sein

Sie analysierten, wie die Kombination aus chinesischen Exportbeschränkungen, industriellen Überkapazitäten und erneuertem US-Protektionismus die Weltwirtschaft grundlegend verändert. Dabei untersuchten sie, in welchen Bereichen sich Korea, Deutschland und die EU besser abstimmen können, um weniger verwundbar zu sein. Es ging um Maßnahmen, die die Risiken verringern, die jedoch nicht zu Protektionismus oder zum Ausschluss von Partnern führen sollen.

Anlass der Konferenz war die wirtschaftliche Sicherheitsagenda der EU, getrieben nicht nur durch China-bezogene Schocks, sondern auch sinkende Exportperspektiven und immer mehr Abhängigkeiten in kritischen Technologien. Zentrale Erkenntnisse waren, dass sich der wirtschaftspolitische Kurswechsel in der EU und besonders in Deutschland beschleunigt. Maßnahmen gegen China könnten auch Partner wie Korea treffen, sollte es keine Abstimmung geben.

Europa und Korea: ähnliche Strukturen, ähnliche Risiken

Die EU sucht gezielt „vertrauenswürdige Partner“, um neue Technologien gemeinsam zu entwickeln und die Lieferketten zu diversifizieren. Hauptsache: weg von China. Die EU, Deutschland und Korea haben ähnliche Strukturen und Interessen und daher auch dieselben strukturellen Risiken, nämlich exportorientierte Wirtschaften, hohe Importabhängigkeiten bei Rohstoffen und Vorprodukten sowie führende Positionen in Schlüsseltechnologien wie Batterien, Elektromobilität, Halbleiter und Präzisionsmaschinen. Doch die Zusammenarbeit läuft eher punktuell und ist zu wenig institutionalisiert.

Batterien als Testfall der Kooperation

Batterien und die Batterielieferketten spielen eine wichtige Rolle. Der Sektor steht exemplarisch für die Chancen der Zusammenarbeit. Koreas Batterieindustrie in Europa leidet unter schwankender Nachfrage und hoher Abhängigkeit von China und dessen Dominanz. In der Folge flossen koreanische Investitionen verstärkt in die USA, die durch den Inflation Reduction Act klare finanzielle Anreize bieten und chinesische Konkurrenten effektiv ausschließen.

Europa hingegen bietet noch keine vergleichbar attraktiven Rahmenbedingungen. Ohne verbesserte wirtschaftliche Anreize droht Europa jedoch, als Investitionsstandort zurückzufallen. Obwohl koreanische Unternehmen längst eine zentrale Rolle im europäischen Ökosystem für Elektrofahrzeuge und Batterien spielen, bleiben die Investitionsvolumina hinter denen in den USA zurück. Gemeinsame Standards und andere politische Instrumente sollen die europäisch-koreanische Partnerschaft für beide Seiten vorteilhaft machen.

Europas Dekarbonisierungsziele und die rasche Umstellung auf Elektromobilität bieten jedenfalls gute Chancen für eine tiefere Zusammenarbeit zwischen der EU und Korea. Demgegenüber bergen zunehmende chinesische Greenfield-Investitionen im europäischen Batteriesektor das Risiko, die bestehende Abhängigkeit in der Lieferketten weiter zu verfestigen. 

Expertenpanel (v.l.n.r.): Juneyoung Lee, Beraterin und Referentin für Rechtsfragen, Welthandelsorganisation (WTO); Nils Redeker, Kommissarischer Co-Direktor, Jacques Delors Centre, Hertie School; Andrew Small, Direktor, Asien-Programm, European Council on Foreign Relations (ECFR) als Moderator (Foto: Miran Kwak)

WTO-Prozesse zu langsam

Chinas Exportkontrollen haben aus langfristigen Abhängigkeitsrisiken akute politische Handlungszwänge gemacht. Bisherige Instrumente – der Critical Raw Materials Act und Investitionsprüfungen – reichen nicht mehr aus. Die traditionelle Prozesse, die auf Vorgaben der Welthandelsorganisation beruhen, sind vielen Entscheidungsträgern zu langsam. Die Konferenzteilnehmer waren sich daher einig, dass Instrumente gefunden werden müssen, die über den klassischen WTO-Rahmen hinausgehen. 

ekö