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Zentralasien im Fokus

Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz treffen sich die Außenminister der fünf zentralasiatischen Staaten in Berlin. Wichtige Themen: Rohstoffe und Energie
January 16, 2026
January 15, 2026
Die Muruntow-Goldmine in Usbekistan - das Land gehört zu den größten Goldproduzenten der Welt. Alle zentralasiatischen Länder sind reich an Mineralien und kritischen Rohstoffen (Foto: Navoi Mining & Metallurgical Company)

Spätestens seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine ist auch das geopolitische Interesse Deutschlands an den zentralasiatischen Staaten gestiegen. Seitdem hat es mehrere hochrangige Treffen, auch im EU-Rahmen, gegeben, in denen es insbesondere um Investitionen in den Rohstoffsektor der Region ging. So richtig vom Fleck kamen die Gespräche allerdings bislang nicht. Für den 11. Februar hat nun Außenminister Johann Wadephul (CDU) seine Amtskollegen aus Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan zum Dialog nach Berlin eingeladen. Der wirtschaftspolitische Teil der Gespräche, zu denen rund 30 deutsche Unternehmen und Verbände eingeladen sind, soll sich nach Angaben von Vladimir Nikitenko, Direktor Zentralasien des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, auf die Themen Rohstoffe, Energie, Logistik und Landwirtschaft konzentrieren.

In der Region mit 80 Millionen Menschen und einer Fläche, die elfmal so groß wie die Deutschlands ist, schlummern viele Rohstoffe, darunter Gas, Öl, Kupfer, Gold, Wolfram und Kalium, aber auch die besonders begehrten seltenen Erden sowie das für Batterien wichtige Lithium. Kasachstan alleine könnte 19 der 34 kritischen Rohstoffe liefern, die die EU aufgelistet hat. Allerdings ist der Markt in den fünf "-stans" hoch umworben – von chinesischen, russischen, amerikanischen und australischen Bergbauunternehmen, die nicht nur mit mehr Kapital, sondern mit größerer Risikobereitschaft als deutsche oder europäische Unternehmen investieren. China bezieht einen erheblichen Teil kritischer Mineralien aus Zentralasien, der russische Staatskonzern Rosatom hält große Anteile an Uran-Minen, amerikanische Konzerne erschließen kaspische Ölfelder.

Potenzial sieht Nikitenko im übrigen auch für die deutsche Automobilindustrie. So investiert Usbekistan massiv in seine Kfz-Industrie und will seine Automobilproduktion bis 2030 auf rund eine Million Fahrzeuge pro Jahr mehr als verdoppeln. VW kündigte im vorigen Jahr an, in Partnerschaft mit dem staatlichen Unternehmen UzAvtosanoat eine Autoproduktion dort aufbauen zu wollen.

gd